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St. Elisabeth Krankenhaus in Bad Hersfeld macht zu: „Juwel wird plattgemacht“

St. Elisabeth Krankenhaus macht zu: „Juwel wird plattgemacht“

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Bad Hersfeld. Ende März wird das St. Elisabeth Krankenhaus geschlossen. Das Haus ist ein reines Belegkrankenhaus mit 45 Betten. Das heißt, die Ärzte, die hier tätig sind, behandeln ihre Patienten in ihrer jeweiligen Praxis und bei Bedarf stationär im Haus.

Vor dem Aus: Das St. Elisabeth Krankenhaus in Bad Hersfeld schließt Ende März. Foto:  nh

Von der Schließung sind 40 Mitarbeiter und zwölf Ärzte betroffen, darunter der Unfallchirurg und Durchgangsarzt Bernhard Hennes. Gegen die Schließung protestieren viele Patienten auf Unterschriftenlisten.

Wir sprachen mit Bernhard Hennes über Ursachen der Schließung und die Folgen. In dem Haus will die St. Vinzenz Krankenhaus gGmbH eine Kinder- und Jugendpsychiatrische Tagesklinik einrichten.

Herr Hennes, Sie kritisieren die Schließung des Hauses. Warum halten Sie diese für einen Fehler?

Bernhard Hennes: Das Belegarztwesen ist sehr effektiv und in den USA weit verbreitet. Die Patienten bleiben in einer Hand von der Praxis über den Krankenhausaufenthalt und danach haben sie einen Ansprechpartner. Wir haben hier einen sehr familiären Charakter. Die Schließung ist eine Katastrophe, aber es regt sich keiner auf. Dabei wird die Öffentlichkeit an der Nase herumgeführt. „Liebe sei Tat“ ist das Leitbild dieses Hauses, aber es geht nur ums Geld

Welche Gründe gibt es für die Schließung des Hauses denn aus Ihrer Sicht?

Hennes: Man möchte für das Klinikum eine Monopolsituation schaffen. Dazu macht man das Elisabethkrankenhaus ohne Vorwarnung dicht, obwohl die Kinder- und Jugendpsychiatrie neben dem Belegsystem hätte weiterlaufen können. Es gibt nicht einmal eine Abfindung für die Mitarbeiter.

Wie meinen Sie das konkret?

Hennes: Obwohl hier in den vergangenen Jahren ständig investiert wurde, zuletzt beispielsweise in eine neue Liegendeinfahrt, wird dieses kleine schmucke Krankenhaus, dieses Juwel, einfach aus wirtschaftlichen Interessen plattgemacht. Der OP-Bereich und der Kreißsaal sind erst saniert worden. 70 000 Euro bekommt der Träger, die St. Vinzenz Krankenhaus gGmbH, vom Land pro Bett für die Schließung. Für den Umbau zur Kinder- und Jugendpsychiatrie gibt es auch wieder Landesmittel.

Welche Rolle spielt das Klinikum nach Ihrer Einschätzung?

Hennes: Herr Ködding (Martin Ködding, Geschäftsführer des Klinikums/Anm. d. Red.) hat aktiv daran mitgewirkt, dass das Haus geschlossen werden musste. Man braucht am Klinikum eine Mindestzahl von 800 Geburten, um eine Neugeborenen-Intensivstation gefördert zu bekommen. Dazu musste das Elisabethkrankenhaus ebenso geschlossen werden wie die Geburtenstation in Rotenburg. Auch in Alsfeld wird es bald keine Geburten mehr geben. Deshalb verlieren hier 40 Mitarbeiter ihren Job.

Sie selbst sind Chirurg. Wie wird es für Sie weitergehen?

Hennes: Für die stationäre Behandlung meiner Patienten stehe ich in Verhandlungen mit den Krankenhäusern in Rotenburg und Hünfeld. Ans Klinikum Bad Hersfeld werde ich keinesfalls gehen. Mit der Praxis plane ich, in die Nähe des Diagnostisch-medizinischen Zentrums (DMZ) an der Frankfurter Straße in Bad Hersfeld zu ziehen.

Vonseiten des Klinikums war versprochen worden, allen Ärzten und Mitarbeitern ein Angebot zu machen. Vom Klinikum wurde angeboten, ambulantes Operieren am Elisabethkrankenhaus weiter zu ermöglichen.

Hennes: Herr Ködding hat den zweiten Stock im St. Elisabeth Krankenhaus samt OP-Räumen, Kreißsaal, Röntgen, Endoskopie und einer Station gemietet. Es ist noch nicht klar, wie es dort weitergeht, aber Betten wird es nicht mehr geben. Im Raum Hersfeld gibt es bei stationärer Aufnahme nur noch das Klinikum.

 

Hintergrund

Bernhard Hennes in seiner Praxis, die direkt mit dem Elisabethkrankenhaus verbunden ist. Archivfoto:  Hornickel

Das Krankenhaus St. Elisabeth in Bad Hersfeld ist ein reines Belegkrankenhaus, zwölf Ärzte sind dort tätig. Sie haben neben ihrer Praxis Betten im Krankenhaus, sodass sie ihre Patienten vor, während und nach dem Krankenhausaufenthalt selbst behandeln können. 40 Mitarbeiterinnen kümmerten sich bisher um das Wohl der Patienten.

Am Haus sind die Bereiche Chirurgie, Innere Abteilung und Gynäkologie mit Geburtshilfe vertreten. Im Juni dieses Jahres wurde bekannt, dass das katholische Krankenhaus, eine Einrichtung der St. Vinzenz Krankenhaus gGmbH Fulda, Ende März 2012 geschlossen wird. Hier soll eine Kinder- und Jugendpsychiatrische Tagesklinik entstehen.

Mit Schließung der Geburtshilfe wird es im gesamten Kreis Hersfeld-Rotenburg Geburtshilfe nur noch am Klinikum Bad Hersfeld geben, nachdem auch die Geburtshilfe in Rotenburg in diesem Jahr eingestellt wurde. (ank)

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