Friedewald. Wenn Zentimeter zu Meilensteinen werden, regt sich Unruhe in Gabriele Leffler. Dann nimmt die erfahrene Hausdame es noch genauer als genau. Stehen die Gläser symmetrisch auf der Anrichte? Ist das frische Toilettepapier mit einer Falte versehen? Heute und morgen sind wieder solche Tage, an denen Gabriele Leffler das Zentimetermaß anlegt: Hannelore Kraft, Brigitte Zypries, Thorsten Schäfer-Gümbel und andere prominente Köpfe der SPD tagen im Friedewalder Schlosshotel.
„Jeder Gast ist prominent.“
Björn Hölken Stationskellner
Es ist die Ruhe vor der Brise. 90 Politiker, darunter eine Hand voll bekannter, machen noch keinen Sturm. Zumindest nicht im Schlosshotel, wo B-, manchmal auch A-Klasse-Promis ein- und ausgehen. Zwar schnüffelt heute ein Bombenspürhund des Landeskriminalamts durch die Tagungsräume der SPD, doch Hotelinhaber Markus Göbel bleibt entspannt: „Das gehört zum Tagesgeschäft“. sagt er.
Wenn Markus Göbel durch sein Hotel streift, strahlt seine Ruhe auf die Angestellten aus. Hannelore Kraft? Björn Hölken lächelt milde. „Für mich ist jeder Gast promiment“, sagt der Chef de Rang, der Stationskellner, der in der Sieben-Grad-Bar des Hotels schon Mojitos für so manchen Schlagersänger geschüttelt hat. Hohe Ansprüche und Sonderwünsche sind alltäglich – und werden Lieschen Müller und Hannelore Kraft erfüllt.
Wer in Suiten schläft, die Rosenkavalier oder Wiener Blut heißen, mag einen extravaganten Geschmack haben. Küchenchef José Esteves versucht ihn zu treffen. „Ich bin nicht nur Koch, ich bin auch Psychologe“, sagt der Franzose mit spanischen Wurzeln. Um den verwöhnten Gaumen zu erfreuen, braucht es kein Geheimrezept, meint Esteves: „Nur gute Menschenkenntnis“. Wer sich auf den Gast einlässt, mit ihm redet, ihn ernst nimmt, der gewinnt sein Herz. Die SPD-Riege aber bedient sich morgen am Buffet. Tagungsgäste wie sie sind „am pflegeleichtesten“, meint der Koch. Beim Essen wird diskutiert, verhandelt, manchmal sogar telefoniert. Dass dabei Essen zur Nebensache verkommt, stört den Koch nicht.
Als bisher prominentester Gast im Schlosshotel schlief die Königin von Schweden in einer Suite. Und auch der Kaiser, Franz Beckenbauer, nächtigte in einem der Edel-Zimmer. Wo Kaiser und Könige schlafen, soll sich auch jeder andere königlich fühlen. „Alle Gäste werden gleich behandelt“, betont Markus Göbel.
Doch Gastfreundlichkeit ist nicht grenzenlos. Die Zimmer in der Lieblingsfarbe der Promis streichen, die Möbel umstellen – all das lehnt Markus Göbel ab: „Für einen Star kann ich mein Hotel nicht umbauen“, sagt er. Auch Küchenchef José Esteves zuckt bei manchem Essenswunsch zusammen: „Kaiserschmarrn von einem französischen Koch?“ Ebendieser blickt gequält, gibt dann zu: „Für die Gäste springt man sogar über den eigenen Schatten.“
Von Pia Schleichert



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