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Waldhessen in aller Welt: Harry und Karin Grunewald zog es nach Südafrika

Mit Sicherheit in die Ferne

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Rotenburg. Bevor Harry und Karin Grunewald einen Cappuccino in einem Rotenburger Café trinken, rufen sie die Kellnerin herbei, damit die einen kleinen Fettfleck vom Tisch wischt. Ein bürgerliches, pensioniertes Beamtenpaar auf Sonntagsausflug, könnte man meinen, und man läge damit sogar richtig. Nur: Für diesen Ausflug haben Harry und Karin über zehntausend Kilometer zurückgelegt. Die beiden sind ausgewandert – nach Südafrika, und waren jetzt zu Besuch in der Heimat.

Neue Heimat Südafrika: So schön sieht sie aus, die Villa Grunewald unweit des Strandes an der südafrikanischen Küste.

Neue Heimat Südafrika: So schön sieht sie aus, die Villa Grunewald unweit des Strandes an der südafrikanischen Küste.

Harry Grunewald wurde im Haus mit der Nummer 88 an der Nürnberger Straße in Lispenhausen geboren und wuchs dort auf. Nach einem bewegten Leben als Hubschrauberpilot beschlossen er und seine zweite Frau in den 90er-Jahren, sich ein neues Zuhause in der großen weiten Welt zu suchen. Allerdings nicht auf die abenteuerliche Art und Weise.

Gleichmäßige Wärme

„Wir sind Beamte“, erklärt Grunewald ohne Ironie und nippt am Cappuccino. „Sicherheit zuerst.“ Die Wahl fiel auf Südafrika, wegen der gleichmäßigen Wärme, der dort herrschenden Deutschen-Freundlichkeit und auch der guten medizinischen Versorgung. Harry Grunewald achtet auf so etwas. Er ist ein Rechner, achtet auf Preise, auf Qualität und Sicherheit. Die Grunewalds kauften eine Villa, einen Kilometer vom Strand entfernt.

Was machen die beiden in Südafrika? „Wir leben da!“ Karin Grunewald lacht – und beginnt zu schwärmen: „Die Leute sind viel aufgeschlossener. Die sagen: Komm, setz dich hin. Wenn wir jetzt zurückkommen, in den Supermarkt gehen, man wird gedrückt und umarmt.“

Rotwein und Antilope

Die Grunewalds verabreden sich spontan mit ihren weißen südafrikanischen Freunden zum Braai, wie Grillabende dort heißen. Dann gibt es Rotwein und Antilope. Wenn Harry Lust auf Rouladen hat, dann bestellt Karin die beim Metzger. „Alles, was hier produziert wird, können wir dort kaufen“, sagt Harry Grunewald, „auch Ahle Worscht“.

Vom Strand aus sehen die Grunewalds die Gefängnisinsel, auf der der Bürgerrechtler Nelson Mandela saß. Aber die Grunewalds sind in Südafrika, um das Leben zu genießen, und haben für die Geschichte des Landes mit der dort einst institutionalisierten Rassentrennung nicht viele Worte übrig. Einmal, bei einem Ausflug ins Landesinnere, erzählt Karin Grunewald, entdeckte sie an einem Toilettenhäuschen noch ein Schild mit der Aufschrift: „Nur für Weiße!“ Das alles habe sich umgekehrt, erklärt Harry Grunewald. Jetzt würden die schwarzen Südafrikaner bei der Vergabe von Verwaltungsposten bevorzugt. Und denen gelänge die Regierungsarbeit nicht besonders. Grunewald: „Die neuen Machthaber haben drauflosgewirtschaftet, ohne an die Zukunft zu denken.“

Jedes Jahr besuchen die Grunewalds ihre deutsche Heimat. Sie beschäftigen einen Gärtner, „Gardenboy“, wie üblicherweise gesagt wird. Steven aus Malawi kümmert sich derweil um den Garten der Villa Grunewald.

Von Achim Meyer

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