Rotenburg. „Ganz vermeiden kann man Stürze nie. Das ist ein Lebensrisiko. Aber man kann viel dafür tun, es so klein wie möglich zu halten“, betonte Ines Mohr, stellvertretende Pflegedienstleiterin im Herz- und Kreislaufzentrum (HKZ) in Rotenburg. Seit 2009 gibt es in der Klinik einen Arbeitskreis Sturzprophylaxe, in dem sich Ärzte, Pfleger, Therapeuten, Mitarbeiter der Hauswirtschaft und der Technik gemeinsam darüber Gedanken machen, wie sie Patienten vor dem Hinfallen bewahren können: während des Aufenthalts in der Klinik und nach ihrer Rückkehr in die häusliche Umgebung.
Besonders gefährdet sind Menschen ab 65 Jahren. „Sie haben ein erhöhtes Sturzrisiko“, erläuterte Dr. Joachim Schuchert, Chefarzt der Orthopädie im HKZ. Die Ursache: „Wir werden immer älter, aber der Körper ist nicht darauf eingestellt.“ Mit zunehmendem Alter nehmen Muskelkraft, Koordination, Reaktionsvermögen, Gleichgewichtssinn und das Sehvermögen ab, Knochen werden spröder, Erkrankungen der Gelenke und des Kreislaufs häufiger. Hinzu kommen neurologische Erkrankungen wie zum Beispiel Parkinson. Ältere Menschen stürzen deshalb häufiger. Und oft bleibt es nicht bei blauen Flecken, sondern es kommt zu Knochenbrüchen, die Operationen und langfristige Therapien erforderlich machen. Für die Betroffenen bedeutet das Schmerzen und einen tiefen Einschnitt in ihr gewohntes Leben, die Krankenkassen kostet es viel Geld.
Der Arbeitskreis Sturzprophylaxe hat in der Klinik bereits für einige Veränderungen gesorgt: Zum Beispiel mehr Nachtbeleuchtung und zusätzliche Haltegriffe in den Bädern. Außerdem wurden für gefährdete Patienten sogenannte Sturzbetten angeschafft, die sich bis auf den Boden absenken lassen. Sturzgefährdete Patienten bekommen ein Faltblatt mit Verhaltenstipps und können bei Bedarf mit einem Notrufsender, den sie ständig bei sich tragen, ausgestattet werden. Zusätzlich bietet man regelmäßig Vorträge zum Thema mit nützlichen Hinweisen an.
Jeder Sturz, der in der Klinik passiert, wird penibel dokumentiert: um die Ursache zu finden und falls möglich abzustellen. Diese vorbeugende Arbeit mache sich bereits mit einem leichten Rückgang der Fälle bemerkbar, berichtete die stellvertretende Pflegedienstleiterin.
Falls trotz aller Vorsicht doch einmal etwas passiert, sollten allein lebende Senioren immer ein schnurloses Telefon oder ein Handy mit eingespeicherter Notrufnummer bei sich tragen, um rasch Hilfe alarmieren zu können, empfiehlt Ines Mohr. Es komme immer wieder vor, dass jemand mit gebrochenem Beim hilflos am Boden liege und Stunden oder gar Tage auf Hilfe warten müsse, weil er sein Telefon nicht erreichen kann. Für besonders gefährdete Menschen gibt es auch Hausnotrufsysteme.
Von Susanne Hefter



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