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Er wollte zum Zirkus und wurde Schlagersänger – heute lebt er in Asmushausen

Tony singt und backt auch

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Asmushausen. Wenn man Schlagersänger Tony Westen besuchen möchte, muss man zuerst das richtige Haus in den verwinkelten Sträßchen von Asmushausen bei Bebra finden, über den Hof gehen und durch eine Schiebetür in den Garten, wo eine enge Wendeltreppe hoch zu seiner Wohnung führt. Weil die so schwer zu finden ist, holt der 59-Jährige seinen Gast am Gartentor ab. Er trägt eine braune Schirmmütze, sagt „Ich bin der Tony. Mich nennen alle nur Tony“, und führt den Gast auf die Wendeltreppe.

Ein Raum der Erinnerung: Tony Westen in seiner Asmushäuser Wohnung.. Hier hat er Bilder und Plakate rund um seine Begegnungen mit Zirkusleuten aufbewahrt. Fotos: Meyer

Ein Raum der Erinnerung: Tony Westen in seiner Asmushäuser Wohnung.. Hier hat er Bilder und Plakate rund um seine Begegnungen mit Zirkusleuten aufbewahrt. Fotos: Meyer

Mit langem Haar

Tonys Wohnung ist winzig. Auf dem kleinen runden Tisch in der Mitte des Raums hat er ordentlich Fotos, CDs und kleine schwarze Schallplatten neben deren Hüllen aufgefächert. „Setz dich“, sagt er. Eine vergilbte Hülle zeigt einen jungen Mann mit schulterlangem, dickem schwarzen Haar, der einem Hund mit hängender Zunge den Nacken krault. „Sag’ mir doch warum - Tony Westen“ steht auf orangenem Grund.

Ein Zirkuszimmer

Tony geht zur Musikanlage. Rockig setzen Gitarren ein, dann Gesang: „Manege frei und raus, unser Zirkus beginnt.“ Schlagerlegende Michael Holm, das stand in der Einladung, hat diesen Song extra für Tony geschrieben und produziert. Michael Holm, ja, der mit „Tränen lügen nicht“. Tony Westen breitet die langen Arme mit den großen Händen aus und singt laut mit. Zeit, sich umzuschauen. An der Wand steht eine Schaufensterpuppe, gekleidet und geschminkt als orientalische Tänzerin. Die Wände übersät mit Zirkusplakaten, gerahmten Fotos von Clowns, Artisten, Zirkusdirektoren. Ein Foto zeigt Tony inmitten strahlender Zirkusleute. Er trägt einen schwarzen Hut und eine lila Zirkusuniform. Als die Musik vorbei ist, bleibt Tony stehen und beginnt zu erzählen.

Tony wurde als Manfred Kullik bei Lübeck geboren, träumte als Kind von einem Leben beim Zirkus. Er lernte Bäcker, trat bei Gesangswettbewerben auf, gewann Preise. Lernte Schlagergrößen kennen, trat Anfang der 70er bei Dieter Thomas-Heck im Fernsehen auf, aber sein Song wurde kein Erfolg. „Heute würde man sagen: gefloppt“, sagt Tony. Tony trat in Discos und Varietés auf, erzählt er. Dann die 90er. „Mit Guildo Horn war Schlager wieder modern“, sagt Tony. Tony sang auf Partys, knüpfte Kontakte zu Zirkussen und durfte dort die Nummern ansagen.

Michael Holm und Tony kennen sich seit 40 Jahren, sagt Tony. „Befreundet kann man nicht sagen, oder - ein bissl Freundschaft ist es geworden.“ Michael Holm war einverstanden, ein Zirkuslied zu machen. Tony: „Michael Holm hat gesagt: Tony Westen ist dafür am glaubwürdigsten.“

Auf Campingplätzen

Vor einigen Jahren zog Tony nach Asmushausen, weil man, wie er sagt, vom Bebraer Bahnhof jede deutsche Stadt gut erreicht. Von hier bricht er in diesem Sommer oft in Städte auf, wo er auf Campingplätzen vor den Urlaubern singt. In Asmushausen fühlt er sich wohl. Tony war ja mal Bäcker. Und die Leute, so Tony, sagen hier: „Der Tony, der macht gute Torten.“

Tony Westens Single „Manege frei“ ist im DVD-Verleih Movie Vision in Bebra erhältlich.

Von Achim Meyer

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