Lispenhausen. „Liedet’s dann?“ Ja, es liedet, oder, auf hochdeutsch: Es läutet nun auf dem Lispenhäuser Friedhof, wenn Menschen beerdigt werden. Gestern Nachmittag wurden Glockenturm und neue Glocke mit einem Gottesdienst eingeweiht. Beim gemeinsamen Vaterunser erklang die Glocke zum ersten Mal. Das war auch der Auftakt zum Lispenhäuser Festwochenende, mit dem das 1225-jährige Bestehen gefeiert wird.

Es ist vollbracht: Die Glocke funktioniert, der Vorstand des Fördervereins Glockenturm ist zufrieden. Unser Bild zeigt von links Pfarrer Alexander Riedel, Wolfgang Zinkan, Norbert Hadamzik, Klaus Troch, Haiko Schuster, Ehrenortsvorsteher Gerhard Pfau, Bürgermeister Manfred Fehr, Manfred Knoch, Norbert Schlüter. Fotos: Schäfer-Marg
Vor 25 Jahren hatte der damalige Ortsvorsteher und heutige Ehrenortsvorsteher Gerhard Pfau angeregt, einen Glockenturm zu installieren – finanziert durch den Überschuss der damaligen 1200-Jahrfeier. Doch die Lispenhäuser konnten sich nicht darauf einigen. Pfau selbst warf einen Blick zurück auf das Geschehen vor 25 Jahren.
Auch, als die Idee 2008 erneut aufgegriffen wurde, sprachen die Lispenäuser zunächst mit vielen Stimmen – wie beim Turmbau zu Babel, um das Bild zu benutzen, das Pfarrer Alexander Riedel gestern für seine Festpredigt gewählt hatte: „Sie sprachen zwar alle dasselbe Platt, aber sie verstanden sich nicht.“ Am Ende stand jedoch die Einigkeit und damit der Glockenturm. Und das unterscheidet das Lispenhäuser Projekt vom Turmbau zu Babel.
Ortsvorsteher Manfred Knoch, der auch Vorsitzender des Fördervereins Glockenturm ist, dankte seinen Mitstreitern für ihren Einsatz und den Spendern für ihre Gaben. Auch er erinnerte an die Skeptiker unter den Lispenhäusern, die ihm vorgeworfen hätten „Für diesen Mist habt Ihr Geld, für anderes nicht“. Knoch betonte, dass kein Steuergeld dafür verwendet wurde. „Gespendet haben die, die den Turm wollten.“
Einer der Skeptiker war eingeladen worden und durfte sogar sprechen: Rotenburgs Bürgermeister Manfred Fehr bekannte, dass er dem Turm zunächst ablehnend gegenüberstand, weil er finanzielle Forderungen an die Stadt befürchtet hatte. „Dann wäre es aber nicht bei einem Turm geblieben, sondern es wären noch zwei auf anderen Ortsteilfriedhöfen hinzugekommen.“ Das, was in Lispenhausen passiert sei, sei ein großartiges Beispiel für bürgerschaftliches Engagement, lobte Fehr. Dekanin Gisela Strohriegl wies auf die Bedeutung einer Friedhofsglocke hin. Das Läuten könne man hören, dazu schweigen, an den Verstorbenen denken und für ihn beten. „Das ehrt den Verstorbenen und hilft beim Abschiednehmen.“ Das ganze Dorf habe von der Aktion des Fördervereins profitiert. Denn alle mussten sich mit dem Thema Tod beschäftigen: Wie möchte ich beerdigt werden, wie von Angehörigen Abschied nehmen?
Die Glocke läutet für alle, die es wünschen.
Von Silke Schäfer-Marg



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