Rotenburg. Der Moment, in dem Jennifer Kaßner die Leitung des Rotenburger St. Georg-Kindergartens übernimmt, fällt in eine turbulente Zeit: Das als Hospital bekannte Gebäude wird umgebaut, das alte Gemeindehaus steht kurz vor dem Abriss, und mit der Verlängerung der Betreuungszeiten vollzieht sich ein einschneidender Wandel. Kaßner hat vor drei Tagen das Büro ihrer Vorgängerin bezogen.
„Aber fragen Sie mich jetzt nicht, wo welche Gruppe ist“, sagt sie lachend am Morgen ihres ersten Arbeitstages. Im Gespräch wirkt sie entschlossen, dabei aufmerksam und offen.
Sie bringt, obwohl erst 29 Jahre alt, jede Menge Berufserfahrung mit – und jede Menge Ideen.
Jennifer Kaßner wurde in Kassel geboren und wuchs bei Witzenhausen auf. Nach dem Realschulabschluss ließ sie sich zur Sozialassistentin ausbilden. Heute weist sie einen schnurgeraden Lebenslauf mit verschiedenen Praktika und einer Stelle als Erzieherin in einer Kasseler Kindertagesstätte vor. Kaßner ist ehrgeizig, besuchte an den Wochenenden eine Weiterbildung für Führungskräfte in Kindertagesstätten und übernahm 2008 bereits die Leitung des Kinderhauses Casa Bambini in Kassel.
In Rotenburg hat sie sich beworben, um näher an ihrem Wohnort zu arbeiten. Mit ihrem Mann und ihrem zweijährigen Sohn wohnt Jennifer Kaßner in Beiseförth.
„Kinder müssen individuell betrachtet werden. Sie bringen viel mit“, beschreibt Kaßner ihren pädagogischen Ansatz: Das zu entdecken und zu fördern sei Aufgabe des Kindergartens. Das schließe aber nicht aus, Kinder auch zu den Dingen zu motivieren, die sie nicht besonders gerne tun.
Das Besondere am St. Georg-Kindergarten ist für Kaßner die Trägerschaft der evangelischen Kirche. Es gehe darum, Werte und Rituale der Kirche zu vermitteln und zu erklären, zum Beispiel: Warum feiern wir Ostern?
Jennifer Kaßner ist diplomierte Tanzpädagogin. Der Tanz sei ein Schlüssel zur Welt – einer, der sich von der Sprache als Kommunikationsmittel absetze.
Über Tanzspiele will sie behinderte Kinder integrieren und dem Zappelphilip oder dem stillen Mäuschen die Möglichkeit geben, sich in einer anderen Rolle zu erleben. Auch in der Führung der Mitarbeiter seien Bewegungsspiele eine Möglichkeit zu ergründen, wer sich wie fühlt.
Am morgigen Sonntag wird sie bei einem Familiengottesdienst in der Jakobikirche um 10 Uhr der Gemeinde von Pfarrer Michael Dorfschäfer vorgestellt.
Von Achim Meyer



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