Baunatal. Bei jedem Atemzug zischt es leise. Frischer Sauerstoff strömt aus einem tragbaren Gerät durch dünne Schläuche in seine Nase und versorgt Gerhard Kulpe mit dem lebensnotwendigen Gas. Er ist einer der Langzeit-Sauerstoff-Patienten in Deutschland.
Trägt das Sauerstoffgerät Tag und Nacht: Karl Götte ist Langzeit-Sauerstoff-Patient.„Was für einen gesunden Menschen ein kurzer gemütlicher Spaziergang ist, scheint uns wie ein Tausend-Meter-Lauf“, so versucht Kulpe den Grad der Erschöpfung zu erklären. Rainer Gießmann ist Gruppenleiter der Deutschen Sauerstoff-Liga LOT - Selbsthilfegruppen für Sauerstoff-Langzeit-Therapie in Nordhessen. Gießmann: „Die Sauerstoff-Langzeit-Therapie ist für Patienten, die aufgrund einer Lungen- oder Herzerkrankung nicht mehr mit genügend Sauerstoff versorgt werden können.“
Ziel der Selbsthilfegruppe ist es beispielsweise, Erfahrungen auszutauschen, untereinander Ratschläge zu geben und Alltagsprobleme zu besprechen. „Was zahlt die Krankenkasse? Was für Erfahrungen machen Angehörige? Wie plant man einen Urlaub? Solche Fragen stellen sich Betroffene und ihre Familien“, zählt Gießmann auf.
Jeder Ausflug, Urlaub und Kinobesuch wird zeitlich abgeschätzt. „Schließlich müssen wir berechnen, wie lange der Sauerstoff reicht“, sagt Gießmann.
Im Vordergrund stehen Mobilität und Lebensqualität der Patienten. „Wir alle wollen unsere Leistungsfähigkeit erhalten, um noch aktiv am Leben teilzunehmen. Schließlich wollen wir nicht den ganzen Tag zu Hause sitzen und über unsere Krankheit brüten.“
Vor allem die mobilen Sauerstoffbehälter werden als große Chance gesehen. Denn bis vor einigen Jahren hingen die Patienten an einem großen Konzentrator und hatten kaum die Möglichkeit, sich frei zu bewegen. „Natürlich sind uns Grenzen gesetzt. Dafür genießen wir alles umso mehr, was im Bereich des Möglichen ist“, sagt Gießmann
Die regelmäßigen Spaziergänge in der Gruppe – diesmal in Baunatal – tun nicht nur dem Körper gut. „Bei uns besteht kein Gruppenzwang“, betont Gießmann. Und wie sieht ein idealer Spaziergang aus? „Sonnenschein ohne kalten Wind, eine gerade Strecke, alle 50 Meter eine Parkbank und ein nettes Café in der Nähe“, zählt Gerhard Kulpe auf und lacht.
Für die Angehörigen plant Edda Kulpe Treffen zum gegenseitigen Austausch. „Das hilft uns allen“, sagt sie.
HINTERGRUND
Von Anthoula Grigoriadou



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