502.03.1002.03.10|Hofgeismar|1 Kommentar
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Immenhausen. Die Theateraufführung der Freiherr-vom-Stein-Schule in Immenhausen hatte noch gar nicht begonnen und schon steckte das Publikum mitten im Geschehen. Vor ihnen auf der Bühne quatschten Schüler miteinander, keppelten sich gar, waren aufgekratzt. Alltagsgeschehen in Deutschlands Klassenzimmern. Harmlos eben. Wären da nicht die Bilder, die während der eineinhalbstündigen Aufführung im Hintergrund über die Leinwand liefen: Stramm marschierende Menschen, Jubelschreie, hoch gestreckte Arme, Hitler in Pose. Bilder, die der Vergangenheit angehören und doch jederzeit wieder Realität werden können.

Die Welle: Mit weißen Hemden, einem gemeinsamen Handzeichen und dem Slogan „Stärke durch Gemeinschaft“ demonstrieren die Schüler ihre Zugehörigkeit zu der neuen Bewegung. Fotos: Maiterth
1967 wagte der Geschichtslehrer Ron Jones an einer kalifornischen Schule einen außergewöhnlichen Versuch. Seine Schüler zweifelten daran, dass nach dem Ende des Nationalsozialismus und mit dem Wissen, das man inzwischen über die Folgen und den Schrecken darüber hat, wieder ein ähnlich totalitäres Regime entstehen könnte. Er startete daraufhin in einer Projektwoche ein Experiment.
Es begann zunächst recht harmlos: Haltung annehmen, aufrecht sitzen. Disziplin. Mit „Stärke durch Gemeinschaft“ wurde ein Slogan gefunden, den alle lautstark herausposaunten. Weiße Hemden und ein gemeinsames Zeichen dienten als Erkennungsmerkmale. Die Bewegung „Die Welle“ war geboren. Einige Schüler lebten dabei geradezu auf. Kaum einem wurde bewusst, dass sie bald mitten in einer Atmosphäre steckten, die von Bespitzelung und Angst beherrscht wurde. Einem Zustand, der zu eskalieren drohte. Einem Alptraum.
Das Experiment wurde in einem Buch veröffentlicht und vor einigen Jahren mit dem Schauspieler Jürgen Vogel verfilmt. Nun führen es die Schüler der verschiedenen Theatergruppen an der Gesamtschule in Immenhausen auf. Gekonnt übrigens und mit großem Erfolg. Und das, obwohl die meisten von ihnen zum ersten Mal vor Publikum auf der Bühne standen.
Da stellt sich die Frage: Gibt es in Immenhausen besonders viele Theater begabte Kinder und Jugendliche? Denn gelungene Aufführungen sind hier nichts Neues.
Oder liegt der Erfolg der schon fast professionellen Vorstellungen am Lehrer Marcus Leitschuh? Er versteht es mit wenigen Mitteln, einer Kombination aus Technik, Licht und Musik, ein beeindruckendes Bühnenbild zu schaffen. Leitschuh beherrscht auch die Kunst, das Beste aus seinen Schülern herauszuholen. Sei es als Regisseur oder als Darsteller, der sich auch direkt am Spiel beteiligt. Gemeinsam mit den Schülern gelingt es ihm, die Gratwanderung zwischen Disziplin und blinden Gehorsam fast greifbar zu machen. Die Frage „Wie würde ich mich verhalten?“ muss jeder für sich selber beantworten. (zrk)
Weitere Aufführungen: Das Stück „Die Welle“ in der Aula der Freiherr-vom-Stein-Schule gibt es am heutigen Mittwoch und am Samstag jeweils um 19.30 Uhr sowie am Sonntag, 7. März, um 17 Uhr. Der Eintritt ist frei, Spenden sind gerne gesehen.
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