kreis kassel. Der Allgemeine Soziale Dienst, kurz ASD genannt, ist beim Jugendamt des Landkreises Kassel zuständig, wenn es darum geht, Kinder und Jugendliche wegen Verwahrlosung oder gar körperlicher Misshandlungen aus ihren Familien zu holen.
Derzeit sind beim ASD 22 Mitarbeiter beschäftigt, deren Zuständigkeit im Landkreis nach Bezirken aufgeteilt ist. Vier Sozialarbeiter des ASD gehören dem Kinderschutzfachdienst an. „Das ist beim Jugendamt die Feuerwehr, wenn umgehend reagiert werden muss“, sagt Amtsleiterin Sabine Scherer, über deren Tisch jede Meldung einer vermeintlichen Kindesmisshandlung oder Verwahrlosung geht.
Im Schnitt werden vom Jugendamt im Landkreis pro Jahr 100 Kinder aus ihren Familien geholt und anderswo untergebracht. Ein örtlicher Schwerpunkt ist dabei nach Auskunft Scherers nicht auszumachen. Wobei es naturgemäß mehr soziale Brennpunkte in städtischen Bereichen gebe, als auf dem flachen Land.
Sehen Mitarbeiter des Jugendamtes die Notwendigkeit, Kinder oder auch Jugendliche aus ihren Familien zu holen, gibt es unterschiedliche Möglichkeiten. Jüngere Kinder kommen in der Regel zunächst in eine der sechs Bereitschaftspflegefamilien (12 Plätze) im Landkreis. Ihr Aufenthalt dort soll jedoch so kurz wie möglich sein. Ist während dieser Zeit keine Veränderung in den familiären Strukturen erkennbar, kommen diese Kinder in Dauerpflegefamilien unter, von denen es in Stadt und Landkreis Kassel derzeit 120 gibt.
Daneben verfügen Stadt und Landkreis Kassel über mehrere stationäre Einrichtungen, wie beispielsweise den Kinderschutzhof in Ehrsten, wo Jugendliche untergebracht werden, die nicht mehr zurück in ihre Familien können.
Oberstes Ziel der Mitarbeiter beim ASD ist es jedoch, die familiären Strukturen zu erhalten, sagt Sabine Scherer. Familien mit Problemen können sich dabei auf ein breites Beratungsangebot stützen, das das Jugendamt anbietet. Das reicht von Erziehungsberatungsstellen, die in Hofgeismar, Wolfhagen und Kassel angeboten werden, bis hin zu Jugendhelfern, die jungen Menschen Orientierungshilfen geben, oder einer Kinder-Tagesbetreuung für Alleinerziehende.
Mit diesem breit gefächerten Angebot verbindet Scherer auch die Hoffnung, dem noch immer in der Öffentlichkeit weit verbreiteten Vorurteil entgegenzuwirken, das Jugendamt sei ein „Kinderklau“. „Das sind wir ganz sicher nicht“, wehrt sich die Leiterin des Jugendamtes gegen derartige Vorwürfe. Eltern hätten das zentrale Erziehungsrecht und das stünde in jedem Handeln ihrer Abteilung ganz oben an.
Archivfoto: Sommerlade/ nh
Von Peter Kilian



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