Immenhausen. Zehn Darsteller, drei Geschichten und ein Ort - aus diesen Komponenten erzählten die Akteure der Theaterwerkstatt Renthof bei ihrer jüngsten Vorstellung eine 25 Jahrhunderte alte Geschichte völlig neu. Bei der Aufführung in der Scheune des Renthofs zeigte das Ensemble um Jochen Kuhnen Euripides „Die Kinder des Herakles“.
Die Bühnenfassung folgte der Übersetzung von Ernst Buschuor und wurde auf drei Geschichten reduziert. Allesamt erzählt auf einer Bühne, die als alter Bahnhof gestaltet wurde. Die Uhr ist schon vor langer Zeit stehen geblieben, Züge fahren nicht. Im Wartebereich haben sich Menschen versammelt, die auf Ankunft und Abfahrt warten. Darunter auch eine Mutter (Barbara Kuhnen-Lenz) mit ihren Kindern (Niklas und Anna Eicke).
Mit dem Verlesen klassischer Sagen aus dem Altertum versucht sie dem Nachwuchs die aufkommende Langeweile zu vertreiben, während die übrigen Wartenden hektisch über den Bahnsteig hetzen, lautstark über die stehen gebliebene Uhr fluchen oder einfach nur stoisch auf die Ankunft eines Zuges warten. Anscheinend haben alle mit einem Ohr die vorgelesene Geschichte mitgehört.
Denn plötzlich sind sie nicht mehr Wartende im Aufbruch, sondern Flüchtlinge, Bürger oder Politiker in Athen. Dem Ort, zu dem Makaria (Nicoline Eicke) und die übrigen Kinder des Herakles flüchten. Nach dem Tod des Herakles verfolgt der fiese Eurystheus (Heiner Festag) die Kinder mit seinem Hass. Vertrieben suchen diese gemeinsam mit dem greisen Iolaos (Klaus Osterberg) Zuflucht beim König von Athen Demophon (Jochen Kuhnen). Trotz der Kriegsdrohung seitens des Eurystheus stellt er die Flüchtlinge unter seinen Schutz und riskiert damit Konfrontation.
Nachdem sich nach einer Orakelbefragung Herakles Tochter Makaria bereit erklärt ihr Leben zu opfern, nimmt die Geschichte ein glückliches Ende. Das Heer des Eurystheus ist dank Götterhilfe geschlagen. Später steht der gefangene Eurystheus vor der alten Alkmene (Waltraud Osterberg).
Nach all dem Leid, was der mykenische Herrscher über ihre Familie gebracht hat, sinnt sie nun auf Rache. Doch Demophon verhindert das, indem er sie bei allem Verständnis für ihre Situation darauf hinweist, dass Gefangene in Athen nicht getötet werden dürfen.
Von Martina Sommerlade



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