Immenhausen. Scherben bringen Glück. Erst recht, wenn ihre Farben so bunt sind wie der Regenbogen. Glückliche Kindergesichter erzeugt regelmäßig im Atelier des Glasmuseums Immenhausen der Anblick transparenter Gefäße, bis an den Rand gefüllt mit fein säuberlich sortierten farbigen Glasstückchen
. Beim Anschauen, was an sich schon ein Glänzen in die Augen nicht nur junger Gäste zaubert, aber bleibt es nicht.
Gelegenheit, mit eigener Phantasie und ein bisschen Fingerspitzengefühl die bunten Bruchstücke in kleine Mosaik-Kunstwerke zu verwandeln, bietet sich seit dem vorigen Jahr nicht nur allen Immenhäuser Drittklässlern. Auch Kindergeburtstage mit kreativer Einlage sind seit wenigen Monaten im Museumsatelier für Glasfreunde im Alter von etwa zehn Jahren möglich. Beide Angebote tragen dazu bei, schon bei den Jüngsten für das Spezialmuseum am Standort der ehemaligen Glashütte Süßmuth Interesse zu wecken. Ein Besuch dort verbindet Theorie und Praxis.
Nach einem Rundgang, vielen Erläuterungen und einem Abstecher in den Filmraum, wo sich die Glasherstellung wenigstens annähernd erleben lässt, zieht es die Kinder ins Atelier. Während bereits sehnsüchtige Blicke zu den Gläsern mit den bunten Scherben wandern, heißt es noch einmal gut zuhören. Damit sich niemand schneidet, lernt der künstlerische Nachwuchs zunächst, wie er die Glasstücke am geschicktesten anfasst. Bloß nicht an den Kanten, sondern die Scherbe gefühlvoll mit den Flächen zwischen die Fingerspitzen nehmen. Dann wäre da auch noch der handwerkliche Kniff des Zuschneidens zu erlernen. Zumindest von all denen, die sich nicht nur aus den Vorratsbehältern bedienen, sondern selbst Formen schneiden wollen.
Rolf Laube, ausgebildeter Glasgraveur und ehemaliger Süßmuth-Mitarbeiter, demonstriert, wie es geht. Mit einem Glasschneider ritzt er die Oberfläche einer Glasplatte an, dann ein behutsames Klopfen von unten mit dem zarten Spitzhammer, und schon löst sich die Scherbe in der gewünschten Form. „Das Zuschneiden lieben besonders die Jungs“, beobachtet der Ruheständler immer wieder. Gemeinsam mit weiteren Mitgliedern aus dem Verein der Glasfreunde leitet er die Workshops.
Reste von Bleiverglasungen in unterschiedlichsten Farben spendet dem Museum eine Glaserei in Paderborn. Ihre Wegwerfware versetzt in Immenhausen kleine Künstler in Entzücken. Unter all den Farben genießt bei ihnen Rot die größte Sympathie. Was auch an Laubes Bericht liegen könnte, dass zum Rotfärben von Glas die Zugabe von Gold notwendig ist. Rote Scherben also, blaue, grüne, gelbe, violette, große und kleine, fügen die Kinder nach einem vorher von ihnen gemalten Entwurf auf einer mit Spezialkleber bestrichenen Platte zusammen. Am Ende liegen auf den Ateliertischen kleine Kunstwerke zum Mitnehmen, die so individuell sind wie die Kinder selbst.
Von Dorina Binienda-Beer



Empfehlen Sie diesen Artikel Ihren Freunden und Bekannten!
Bitte berichtigen Sie oben aufgeführte Fehler und klicken danach noch einmal auf den Absenden Button.
Bitte setzen Sie sich mit der technischen Abteilung in Verbindung.
Nicht alle Aufgaben konnten abgearbeitet werden.