016.12.0916.12.09|Hofgeismar|
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Hofgeismar. Neue Technologien auf dem Bereich der erneuerbaren Energien, die Unterstützung vom Staat und das Umdenken in der Zeit des Klimawandels machen die alternative Stromgewinnung heutzutage für viele möglich. Herrmann Ernst hingegen hat in seiner Mühlenbäckerei in Hofgeismar schon immer selbst Strom erzeugt. Und zwar mit Wasserkraft.

Energie aus Wasserkraft: Herrmann Ernst an der Turbine im Wasserkraftwerk der alten Kabemühle. Alternative Stromerzeugung betreibt die Bäckerei Ernst schon seit Jahrzehnten. Foto: Brandstädter
Sein Großvater hat vor über 100 Jahren das Grundstück an der Esse erworben, auf der 1916 die Bäckerei entstand. Ein Wasserkraftwerk hat schon damals die Kabemühle angetrieben. Außerdem schloss die Familie Ernst eine Francis-Turbine an. Die kann 600 Liter Wasser pro Sekunde schlucken und damit 16 Kilowatt liefern.
„Früher war das noch ausreichend Strom, um die benachbarte Altenhilfe mit Strom zu versorgen und bei Wassermangel die Mühle anzutreiben“, erinnert sich Herrmann Ernst. Gleichstrom wurde in großen Glasbehältern mit Bleiplatten gespeichert, die mit Säure gefüllt waren.
Heute schleppt keiner mehr Getreidesäcke in eine Mühle.
Hermann Ernst
„Heutzutage können wir nur selten genug Strom für unsere eigene Bäckerei gewinnen.“ Der 70-Jährige steht vor der alten Anlage aus Gussstahl mit ihrer verstaubten Mechanik aus Kurbeln und Rädern. „Die Bäcker sind heute mehr Technik gewohnt.“ Knetmaschinen. Brötchenstraßen. „Heute schleppt doch keiner mehr Getreidesäcke in eine Mühle.“ Mehr Technik verbraucht mehr Strom.
Die alte Kabemühle steht längst still. Es kommt kein Bauer mehr mit seinem Pferdewagen vorgefahren und möchte sein Getreide mahlen. „Wir hätten investieren müssen, um die Mühle vollautomatisch zu nutzen“, sagt Ernst. Die Turbine hingegen wird weiter durch das gestaute Wasser aus der Esse angetrieben. Auch wenn durch die Rückhaltebecken der Kläranlage immer weniger Wasser durch das Kraftwerk fließt.
„Die Wasserkraftanlage ist ja da, warum sollten wir sie nicht nutzen“, erklärt Ernst. Die Stromerzeugung sei die effizienteste Methode, die Anlage zu betreiben. Und von Herbst bis Frühjahr ist sogar ausreichend Wasser da, um die Öfen der Bäckerei unabhängig von den Stromkonzernen zu betreiben und ein wenig Strom ins Netz einzuspeisen.
In der globalen Wirtschaft hat sich viel geändert: die Bedeutung von Energie, die Strompreise, der Gesamtbedarf. Geblieben ist das traditionelle Bäckerhandwerk. Die Mühlenbäckerei Ernst backt jeden Tag vom Abend bis in die Morgenstunden Brötchen, stellt Torten her, nimmt Privatrezepte entgegen und beliefert ihre Kunden an der Haustür. Der Familienbetrieb ist familiär geblieben. „Und der Selbstständige muss selbst und ständig bleiben“, ergänzt Ernst.
Ob das Unternehmen in Zukunft in Methoden investiert, den Wärmeverlust der Öfen zu verringern, die Räume zu dämmen und so Energie effizienter zu nutzen, hängt für die Bäckerei von einer Sache ab: „Es muss sich für uns lohnen“, stellt der 70-Jährige klar. Natürlich muss die Wirtschaftlichkeit für einen mittelständischen Betrieb im Vordergrund stehen, wenn er sich neben den Konzernriesen weiterhin halten will.
Lesen Sie am kommenden Mittwoch von der Stromerzeugung mit einer Photovoltaik-Anlage.
Von Philipp Brandstädter
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