Grebenstein. Wenn Kai Siebert auf die Jagd geht, benötigt er keine Waffe. Stattdessen hat er eine hübsche, junge Dame im braunen Gefieder dabei - Habichtsweibchen Axa.
Jetzt, zur Saison, zieht der Grebensteiner Falkner regelmäßig mit seinem Vogel los, um vor allem den Kaninchen auf die Spur zu kommen.
Dass diese Jagdmethode etwas ganz Besonderes ist, zeigt, dass es neben Kai Siebert nur noch einen weiteren Falkner im gesamten Kasseler Raum gibt. „Mich hat das Jagen mit Tieren schon immer fasziniert“, erklärt der 42-Jährige, deshalb habe er gleich nach seiner Bundeswehrzeit den Jagdschein gemacht und danach sofort mit der Falknerausbildung begonnen. An Erfahrung mangelt es dem passionierten Falkner nicht: „Zehn Vögel habe ich in den vergangenen 20 Jahren ausgebildet und geflogen“, wobei sein Herz besonders für Habichte schlägt. „Diese Vögel sind schon ganz schöne Übeltäter, wahre Killer, aber gerade wegen ihres starken Jagdtriebes finde ich sie so faszinierend“.
Mit Habichtweibchen Axa arbeitet Kai Siebert nun seit zwei Jahren. Im Alter von drei Wochen wurde der inzwischen sechsjährige Vogel einem Wildhorst entnommen. „Ohne Ausdauer geht in der Falknerei nichts, denn zu Beginn muss man den Vogel lange Zeit auf dem Handschuh abtragen, um Vertrauen aufzubauen“, erläutert der Jäger, der als Experte gilt. Ein erster, großer Schritt sei erreicht, wenn das Tier erstmals Futter von einem annehme.
Bei der Jagd selbst muss das stolze Habichtsweib trotz Unterstützung durch Hund und Frettchen alles geben, um die flinken Kaninchen zu bekommen. Im Verbund macht Drahthaarhündin Cleo meist die Vorarbeit, stöbert im Unterholz umher und vertreibt so Meister Lampe aus seiner Deckung. In sekundenschnelle muss Axa nun die Beute mit ihrem Teleblick fixieren und sofort reagieren, denn die Kaninchen sind äußerst schnell und wendig. „Meist sind mehrere Flüge nötig, bis der Vogel zum Erfolg kommt“, weiß der Falkner.
Neben seinem Hund hat Kai Siebert auch drei Frettchen bei der Beizjagd dabei, die für die Arbeit am Bau eingesetzt werden. Sie treiben die Kaninchen aus den röhrenartigen Systemen unter der Erde hervor, sodass der Greifvogel die Möglichkeit hat, sie zu erwischen. „Bei dieser Jagdart kann ich nichts beeinflussen - das Zusammenspiel von Hund und Vogel oder Frettchen und Vogel ist einfach sehr reizvoll und macht besondere Freude, wenn etwas gefangen wird“.
„Oft habe ich auch Einsätze auf Friedhöfen, Parkanlagen, Industriegebieten und sogar Campingplätzen, eben Orte, wo keine Waffen eingesetzt werden dürfen, es aber eine Kaninchenplage gibt“. Dann hat der Greifvogel meist Pause und Hund und Frettchen sorgen dafür, dass die Kaninchen in Netze laufen. „Leider darf ich die Kaninchen nicht bei uns aussetzen, das untersagt das längst überholte hessische Gesetz.“
Von März an wird es wieder etwas ruhiger im Leben des Beizvogels. Dann steht nämlich erst mal die Mauser an, für die er sein Domizil im Siebertschen Garten mit einer schmucken Voliere am Burgberg tauscht. Gearbeitet wird erst wieder ab Oktober - klar, dass dann alle dem ersten, spannenden Flug entgegenfiebern. (zta)
Von Tanja Temme



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