031.08.1031.08.10|Söhre/Kaufungen|
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Helsa. Die Blutfinken drohen aus dem Nest zu kippen, aber Pippi Langstrumpf steht zum Glück noch aufrecht da. Willi Gotzhein ist schon ein wenig traurig, was mit seiner Blutfinksäule in Helsa-Eschenstruth passiert ist.

Umgebogen: Die Blutfinksäule von Willi Gotzhein bot letzte Woche einen traurigen Anblick. Nun steht sie wieder so aufrecht wie die Säule am Europaplatz in Eschenstruth (das kleine Foto zeigt ein Detail dort mit Astrid Lindgren und Pippi Langstrumpf). Fotos: Wienecke
Zwei Kunstwerke sind es, die der 89-Jährige für Helsa-Eschenstruth geschaffen hat. 1999 schnitzte er für den Europaplatz am Ortseingang eine Säule aus dem Stamm eines abgestorbenen Apfelbaums. Die Porträts der Europa-Gesichter von Politikern und Künstlern darauf sind aus Fichtenholz.
Da trägt der erste Kanzler der Bundesrepublik, Konrad Adenauer (1876 bis 1967), die Mütze des deutschen Michels und die schwedische Schriftstellerin Astrid Lindgren (1907 bis 2002) wird von ihrer Kinderbuchheldin Pippi Langstrumpf unterstützt.
Die Blutfinksäule steht hingegen am Eingang zum „Neuen Viertel“ in Eschenstruth. Sie ist dem Wappenvogel des Ortes gewidmet, den man auch unter der Bezeichnung Gimpel, Dompfaff oder Rotfink kennt.
„Als Zubrot wurden hier Blutfinken zum Singen ausgebildet und bis nach England verkauft“, berichtet der 89-Jährige, der auch ein präpariertes Exemplar besitzt, das beim Flug gegen eine Fensterscheibe zu Tode kam.
In seinem Zuhause zieren zahlreiche Gemälde die Wände. „Ich bin ein Abmaler“, sagt der gelernte Dreher, der schwer lungenkrank aus Leningrad zurückkam.
Besonders gern mag er sein Bild „Erste Schritte“, das er einem Gemälde von Vincent van Gogh (1853 bis 1890) nachempfunden hat, der sich wiederum von dem Franzosen Jean-François Millet (1814 bis 1875) inspirieren ließ.
Die Blutfinksäule, die zuvor einen anderen Standort hatte, war bereits einmal abgefault. „Die Gemeinde, der ich sie geschenkt habe, hat sie zwölf Monate auf dem Bauhof liegen lassen“, erinnert sich Willi Gotzhein. Der späteren Metallbefestigung habe er nicht so richtig vertraut, meint der Rentner. Nun hätten wohl Randalierer versucht, das Kunstwerk umzureißen, vermutet er. Erleichtert ist der Hobbykünstler darüber, dass die Schnitzereien keinen Schaden genommen haben.
„Ich bin genau seit 60 Jahren in Eschenstruth. Hier habe ich auch meine Frau Marie kennengelernt“, erzählt der Vater einer Tochter und Großvater einer Enkeltochter. Er hat inzwischen ein neues Hobby für sich entdeckt: Er hört jetzt klassische Musik.
Voller Freude teilte uns Willi Gotzhein gestern Abend mit, dass die Blutfinken nun nicht mehr aus dem Nest kippen. Das Kunstwerk wurde vom Bauhof aufgerichtet.
Von Bettina Wienecke
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05.02.12|Söhre/Kaufungen|0

