Lohfelden. Über den eigenen Tellerrand hinaus blicken, schauen, was die Anderen machen und voneinander lernen. Diese Überlegungen standen vor zwei Jahren Pate für die Arbeitsgemeinschaft „Kirche in der Söhre“, in der die Pfarrer der in Lohfelden und Söhrewald bestehenden evangelischen Kirchengemeinden verstärkt zusammenarbeiten. Jetzt hatten die sechs Seelsorger ihre Gemeinden zu einem Gottesdienst mit Reimpredigt in die Vollmarshäuser Kirche eingeladen.
„Sich verkleiden - ein Anderer sein“, war das zum Karneval passende Thema der von Pfarrerin Ingrid Ruhrmann-Brandt (Lohfelden) und ihrem Kollegen Werner Pausch (Wellerode) im Versreim gehaltenen Predigt. Die große Kirche war sehr gut gefüllt. Der Hobby-Drehorgelspieler Wolfgang von Heusinger, selbst als Kirchenältester in der evangelischen Kirchengemeinde Lohfelden engagiert, verlieh der Veranstaltung mit ins Ohr gehenden Melodien zusätzliche Leichtigkeit.
Die von den Autoren pointiert vorgetragene Predigt war ein Streifzug von der Geschichte Israels, über das aktuelle Geschehen in Deutschland bis zu örtlichen Ereignissen. Auch der Rücktritt des Bundespräsidenten wurde kommentiert. Man sollte Frau Käßmann nehmen, „weil die wenigstens den Rücktritt kann“, war ein pfiffiger Vorschlag für die zu diesem Zeitpunkt noch nicht feststehende Nachfolge. „Ein Mensch sieht, was vor Augen ist, doch Gott zuerst das Herz ermisst“. Die auf das Buch Samuel zurückgehende Botschaft zog sich wie ein roter Faden durch die Predigt. Geändert habe sich bis heute nicht, dass Kleider immer noch Leute machen und selbst „ganz gute Christen“ auch nur das sehen, was vor Augen ist, befanden die vortragenden Seelsorger.
Die Zuhörer schmunzelten über die Kritik an den Gottesdienst-Besucherzahlen in Lohfelden, die nur während der Bischofvisite nach oben gegangen seien. Auch die heftig diskutierte „Sarg-Dekoration“ an der Kirchenmauer in Vollmarshausen war ein Thema der Reimpredigt. Schließlich frozzelten die Pfarrer auch über eine mögliche Kürzung der Pfarrstelle in Eiterhagen und fragten: „Wie sieht eigentlich ein Dreiviertel-Pfarrer aus?“
Die in der Arbeitsgemeinschaft kooperierenden Pfarrer zogen eine positive Bilanz über die Veranstaltung und ihre bisherige Zusammenarbeit. Man habe außer den Regional-Gottesdiensten Kurse für Eltern von Konfirmanden und theologische Glaubensseminare über biblische Themen gemeinsam angeboten. (ppw)



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