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Interview: Museumsleiter Dr. Römer über den ausgestellten „Wolfhager Schatz“

Interview: Museumsleiter Dr. Römer über den ausgestellten „Wolfhager Schatz“

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Wolfhagen. 1254 alte Silbermünzen schlummerten 250 Jahre lang in einem Kaminsockel eines Wolfhager Fachwerkhauses. Der mitterweile als „Wolfhager Schatz“ bekannte Fund wurde seit seiner Entdeckung vor zehn Jahren umfassend erforscht und ist mittlerweile in Besitz des Regionalmuseums.

© Norbert Müller

Glänzend in Szene gesetzt: In der Sparkassenabteilung des Regionalmuseums ist eine Auswahl alter Münzen aus dem Wolfhager Schatz zu sehen. Im Hintergrund: Dr. Jürgen Römer.

Dort ist ein kleiner Teil ab sofort in der Ausstellung für Geld- und Sparkassengeschichte zu sehen. Im Interview spricht Museumsleiter Dr. Jürgen Römer über den kleinen Schatz mit der großen Bedeutung.

Was macht den Schatz so besonders?

Dr. Jürgen Römer: Das Bedeutende ist, dass der Schatz sehr schön Aufschluss darüber gibt, welche Münzen in Hessen-Kassel damals im Umlauf waren. Das Hessische Münzsystem etwa zeigen wir anhand von sechs Münzen. Unter den insgesamt 1254 Münzen gibt es natürlich einige Superlative: Die Älteste ist von 1654, die Jüngste von 1740, das ist die so genannte Schlussmünze. Eine jüngere gibt es nicht, daher geht man davon aus, dass in dieser Zeit der Schatz versteckt worden ist.

Von welchem Wert sind die Fundstücke?

Kurzclip: Karsten Kroll, Vorsitzender des Museumsvereins

Römer: Es handelt sich um einen der bedeutendsten Münzschatzfunde in Hessen innerhalb der letzten 50 Jahre. Die wissenschaftliche Bedeutung ist sehr hoch, der Materialwert heute aber nicht mehr besonders bedeutend. Stellen Sie sich diesen Schatz so vor, wie die Drei-Liter-Asbachflasche voller Centstücke, zwischen die ein paar Euro-Stücke geraten sind. Unter den 1254 Münzen sind allein rund 400 Vier-Heller-Stücke, die in etwa dem heutigen Centstück entsprechen. Einige Stücke sind herausragend, beispielsweise die mit Loch, die möglicherweise an einer Kette als Schmuck getragen wurden. Oder Münzen, die von relativ weit weg stammen, etwa aus Stralsund, Salzburg oder Bremen.

Haben Sie Erkenntnisse darüber, wie der Schatz zustande gekommen ist?

Römer: Offenbar ist der Schatz über viele Jahre hinweg nach und nach angesammelt worden. Wir wissen es nicht genau, aber es mag sein, dass ein einfacher Amtsdiener, der nachweislich auch am Fundort wohnte, das Geld über viele Jahre illegal von seinen Amtseinnahmen abgezweigt hat. Im Grunde das Ergebnis einer jahrzehntelangen Unterschlagungstätigkeit auf ganz niedrigem Niveau.

Die Präsentation in Ihrer Ausstellung ist für einen Schatz relativ dezent.

Römer: Wir hatten durch eine großzügige Spende der Kasseler Sparkasse die Möglichkeit, dieses neue Schmuckstück unseres Museums anzukaufen und haben überlegt, wie wir ihn präsentieren. Erst wollten wir die Fundstelle nachbauen und die Münzen dorthin schütten, aber mittlerweile sind sie fein säuberlich nummeriert, und der bei weitem überwiegende Teil liegt im Tresor der Bank. Es wäre auch uninteressant, sie alle zu zeigen. Die mehrere hundert Hellermünzen beispielsweise sehen alle gleich aus.

Von Sascha Hoffmann

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