1619.05.1019.05.10|Wolfhagen|1 Kommentar
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Wolfhagen. Wer mit Dudelsack bisher nur quälend quäkenden Klang verband, könnte nach dem Kulturzelt-Besuch sein Herz für dieses uralte Instrument entdeckt haben. Die Red Hot Chilli Pipers lieferten laut und schrill den Beweis, dass die Sackpfeifen zu mehr taugen als zu traditoneller Folklore der schottischen Highlands.

Scharfe Show: Die Red Hot Chilli Pipers ließen das Kulturzelt nicht nur mit schriller Musik beben, sondern brachten auch eine originelle Choreografie, angelehnt an die Tradition der Marching Bands, auf die dafür manchmal zu kleine Bühne. Foto: Norbert Müller
Die acht Jungs, die mit ihrer erst 2004 gegründeten Band zunächst als Geheimtipp gehandelt wurden, sind jetzt auf internationalem Karriere-Steilflug und werden mit ihrer ungewöhnlichen Kombination von Pipes and Drums mit E-Gitarre, Bass, Schlagzeug und Keyboard den Dudelsack wohl zum massentauglichen Instrument in Rockkonzerten machen.
Beim Wolfhager Publikum brauchten die Chillis dafür kaum Überzeugungskraft: Die wenigen Neulinge ließen sich schnell vom Sog der Fanmasse mitreißen, schwangen die Arme zum Klatschen über dem Kopf, tanzten, absolvierten auch die sonstigen Bewegungsübungen, schrien sich die Kehle heiser, wann immer eine Rockhymne erkannt wurde. Gegen die elektronisch verstärkte Wucht der immer wieder scheinbar mit der Gitarre konkurrierenden Bagpipes hat die menschliche Stimme aber keine Chance.
Und spätestens im zweiten Teil des Konzerts war dann nicht nur die Stimme weg. Es pfiff in den Gehörgängen, sofern man die gespendeten Ohrstöpsel mit einem „Och, so schlimm kann’s nicht werden“ leichtfertig verschmäht hatte. Musik von den Red Hot Chilli Pipers fetzt hart an der Dezibel-Schmerzgrenze.
Doch das Klangereignis entschädigte. Ob „Clocks“ von Coldplay, „Hey Jude“ von den Beatles oder ein John-Farnham-Song - die Herren im Kilt mixen Rock und Pop in ihren Coverversionen so raffiniert mit den Elementen schottischer Folklore, dass aus dem musikalischen Kuss von Dudelsack und E-Gitarre ein neuer Stil entsteht. Dazu beherrschen die acht quirligen Musiker virtuos ihre Instrumente - selbst im rasanten Takt des immer antreibenden Snare-Drummers.
Die Chillis sind wild, energiegeladen und ein bisschen schräg. Und ihr Bandname ist Programm: Dudelsack-Rock ist eine echt scharfe Sache.
Von Cornelia Lehmann
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