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Bad Arolsen. Er war erst 17 Jahre alt, als er in der DDR festgenommen wurde: Walter Julien Samiec. Eine Klassenfahrt mit einem Abstecher nach Ostberlin wurde für ihn zum Verhängnis.
Und das, weil er einem Ostberliner seinen Ausweis überlassen hatte. Verurteilt wurde Samiec wegen "Beihilfe zum ungesetzlichen Grenzübertritt im schweren Fall" für zwei Jahre und drei Monate. Nach fünf Monaten kam der Korbacher Oberschüler aber überraschend frei. "Da ist ein Mensch, der aus einer Diktatur raus will, dem muss ich helfen", sagte der jetzt 59-jährige Samiec über sein damaliges Handeln.
Ein Ostberliner "Peter" habe ihn angesprochen und gefragt, ob er ihm seinen Ausweis geben würde. Damit könnte er als Ostdeutscher nach Westberlin und für Samiec als Westdeutscher sei es kein Problem, ohne Papiere in den Westen zurückzukehren. Also ließ Samiec seine Jacke am Kleiderständer im Café Intershop hängen, damit "Peter" zugreifen konnte. Später meldete Samiec diesen "Verlust", wurde allerdings sofort wegen Verdachts der Fluchthilfe verhaftet. Obwohl Samiec geständig war, wurde er wöchentlich drei oder vier Mal verhört. Selbst das Essen, was seine Mutter damals in Sachsenhausen am Edersee kochte, war für die DDR-Behörde von Interesse.
In einer kleinen Zelle fristete Samiec sein Dasein. Geschlagen worden sei er nie. Aber er sei in den Hungerstreik getreten, um an Bücher und Zigaretten zu kommen. "Ich konnte nicht mehr, ich war völlig verzweifelt", erzählt der Sozialpädagoge.
Er war eingesperrt, als Westdeutscher im Osten. Direkt neben ihm Mörder und andere Verbrecher. Er trug Gefängniskleidung, bekam zensierte Briefe von zu Hause und musste auch zum Arbeitsdienst. Das alles liegt jetzt fast 42 Jahre zurück. Und doch hat es Walter Julien Samiec geprägt. Zu dem Ostberliner "Peter" hat Samiec übrigens keinen Kontakt mehr. Es gab nur eine kurze Begegnung, über den der Spiegel berichtete.
Von Monika Verjans
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