Spurensucher mit Humor

Jörg Stanko schreibt Romane und kommt immer wieder in die alte Heimat zurück

Spurensucher mit Humor

1715.06.1115.06.11|Wolfhagen|
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Wolfhagen. Er träumt von einem alten Bauernhof in der Provence, doch erstmal spart er auf einen großen Flachbildfernseher. „Ich hab da noch so eine alte Möhre zuhause“, sagt er. Wenn nicht sein Sohn begeisterter Fernsehgucker wäre, bräuchte Jörg Stanko eigentlich gar keinen, denn er nutzt lieber die eigene Phantasie, statt sich fremdberieseln zu lassen.

Besuch in der alten Heimat: Autor Jörg Stanko. Foto: Hoffmann

Besuch in der alten Heimat: Autor Jörg Stanko. Foto: Hoffmann

Stanko ist Autor. Seit vielen Jahren schon. 1968 in Wolfhagen geboren, zieht es ihn nach Abitur und Zivildienst schnell raus in die weite Welt. Wirklich weit gekommen ist er aber nicht. „Hängen geblieben bin ich im Ruhrgebiet“, erzählt er lachend. In Essen lebt er, vermisst heute jene kleinstädtischen Strukturen, die ihn einst vertrieben haben. Ganz darauf verzichten will er dann auch nicht, kommt regelmäßig zurück in die alte Heimat.

Auch über Pfingsten besuchte er seine Eltern und alte Schulfreunde im Wolfhager Land. Im Gepäck sein neuer Roman „Wie ich einen ostpreußischen Superhelden erfand“. Darin stellt sich der Schriftsteller die Frage, ob man die Vergangenheit und damit sein eigenes Leben verändern kann, indem man in die Geschichte eingreift, Figuren verändert oder sie neu erfindet. Feinsinnig und mit hintergründigem Humor begibt er sich auf Spurensuche, die ihn zwangsläufig auch zu einer Auseinandersetzung mit seiner deutschen Identität führt. „Ein Buch für Sinnsucher, Romantiker, Melancholiker und andere finstere Gesellen“, sagt er augenzwinkernd.

Seine bisweilen größten Erfolge feierte Stanko mit seinen Kinderbüchern. „Flieg Hilde, flieg!“ etwa ist ein Buch für Kinder, die danach fragen, was nach dem Tod passiert. Es kann nicht nur Trost und Hilfestellung für Kinder, sondern auch eine Kommunikationshilfe für Eltern und Angehörige sein. Oder „Immer wieder Papawochenende!“, das er nach der Scheidung von seiner Frau für seinen Sohn geschrieben hat. Darin erzählt er, wie zwischen Fußball, Schwimmbad und Sandburgenbau viel Zeit bleibt für Zärtlichkeit und Emotionen. Dass Papa und Sohn sich gerne haben und zusammengehören, bleibt dabei außer Frage. Die Kinderbücher von Stanko kommen stets mit Botschaft daher, „von der kleinen roten Eisenbahn gibt es schließlich schon genug“.

Anregungen im Zweitjob

Anregungen dafür findet der gebürtige Wolfhager auch in seinem Zweitjob. Stanko hat noch einen „Brotberuf“, wie er ihn selbst nennt. „Ich arbeite stundenreduziert als Therapeut, das gibt mir die Freiheit, auch ohne Finanzdruck kreativ tätig zu sein.“ Ganz reicht es nämlich noch nicht, um vom Schreiben leben zu können.

Wer weiß, vielleicht bringt schon das nächste Buch mit dem Arbeitstitel „Männer mit kalten Füßen“ den langersehnten Durchbruch. Freuen würde es ihn, wie auch ein großer Flachbildfernseher, am besten an der Wand eines alten Bauernhauses in der Provence. Mehr über den Autor und seine Arbeit: www.joergstanko.de

Von Sascha Hoffmann

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