1829.08.1029.08.10|Wolfhagen|5 Kommentare
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Wolfhagen. Ernüchternd ist wohl das Wort, das den Auftakt zum ersten Soundcircle-Festival am besten beschreibt. Gähnende Leere am Freitagabend auf dem Gelände der ehemaligen Pommernkaserne, auch am Samstag war die Realität weit von den gewünschten 1000 Besuchern entfernt.
Bands wie „Speed Chicken“, „Black Paradise“ oder „Ray Stress & die Stressmaker“ spielten mehr oder weniger für sich selbst, was die Bewohner der 17 Zelte am Campingplatz aber nur wenig beeindruckte. Sie feierten ihre eigene Party. Trotz Regens und wenig sommerlichen Temperaturen zauberten sie die typische Festivalatmosphäre aufs Feld und ließen es sich in ihrer kleinen Zeltstadt gut gehen. Timo Senfleben und Benjamin Hendryck waren eigens aus Darmstadt angereist, landeten aber mehr aus Zufall in Wolfhagen. „Wir wollten einfach zusammen auf ein Festival fahren und es musste dieses Wochenende sein“, erzählt Timo. Das Internet spuckte als erste Adresse die Soundcirclebühne aus, und so machten sie sich auf den Weg ins ferne Wolfhagen.
Im Mittelpunkt stand für die jungen Darmstädter die „coole Festivalatmosphäre“, die angekündigten Bands hätten sie allerdings weniger überzeugt. Im Gepäck die nötige Festivalausstattung, von reichlich Trinkbarem bis zur Gitarre.
Und die war es dann wohl auch, die immer wieder zahlreiche Jugendliche zum Platz der Darmstädter Jungs lockte. Dass hier ordentlich gefeiert wurde, war schon am frühen Samstagnachmittag nicht zu übersehen, unzählige leere Bierdosen und vieles mehr schmückten den Zeltboden, der kaum mehr zu erkennen war. Etwas gesitteter ging es einige Meter entfernt zu, wo die Kasseler Freundinnen Katharina Krümler, Lena Gehrmann, Thordis Trinter, Janina Niemeyer und Ronja Leiß ihre Picknickdecke ausgebreitet hatten und mit Schokoriegeln und literweise Eistee dem Wetter trotzten. „Es ist so langweilig hier“, waren sie sich einig.
„Nichts ist los und wir sind am Ende der Welt“, schimpfte Ronja, von Rahmenprogramm sei weit und breit keine Spur. Ins wenige Kilometer entfernte Wolfhagen sei auch kein Hinkommen, vom angekündigten Shuttlesevice alle 15 Minuten sei nichts zu sehen gewesen.
Wegen „Stanfour“ waren die Mädels zwischen 14 und 16 Jahren gekommen, hofften auf ein Autogramm ihrer Lieblinge. Sensibles Thema auch für Carina Rennwald aus Naumburg, die vom Clan rund um die nordische Erfolgskombo abgewiesen worden war, als sie um eine Unterschrift bat. „So führt sich nicht einmal Xavier Naidoo auf“, sagte sie enttäuscht.
Naja, vielleicht waren auch die Profimusiker frustriert, vor solch kleinem Publikum spielen zu müssen, denn sie sind anderes gewohnt. Fast zeitgleich zum Wolfhager Konzert war ein Stanfourauftritt im Fernsehen zu sehen, da waren es gut und gerne hundert mal so viele Zuschauer. Die hätten vor allem die fleißigen Macher des Soundcircle-Festivals verdient gehabt, denn was sie auf die Beine gestellt hatten, war für die Region einzigartig. Blieb am gestrigen Sonntag nur noch die Hoffnung auf „Revolverheld“, die am späten Sonntagabend den Abschluss des Festivals bilden sollten (mehr in unserer morgigen Ausgabe).
Von Sascha Hoffmann
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