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Neue und doch vertraute Aufgabe: Pfarrerin Claudia Frank ist Kind gehörloser Eltern

Auftrag als Herzenssache

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Flechtdorf/Korbach. Für sie ist es eine „Rückkehr in vertraute Gefilde“: Pfarrerin Claudia Frank - Kind gehörloser Eltern - wurde von der Landeskirche beauftragt, die Seelsorge für Gehörlose im Kreis Waldeck-Frankenberg zu übernehmen.

Wie früher: Pfarrerin Claudia Frank beschäftigt sich wieder verstärkt mit der Gebärdensprache für Gehörlose. Die Landeskirche hat sie für diese Aufgabe bestimmt, die gleichzeitig die Pfarrstelle in Diemelsee-Flechtdorf aufwertet. Foto: Rudolf Bornemann

Wie früher: Pfarrerin Claudia Frank beschäftigt sich wieder verstärkt mit der Gebärdensprache für Gehörlose. Die Landeskirche hat sie für diese Aufgabe bestimmt, die gleichzeitig die Pfarrstelle in Diemelsee-Flechtdorf aufwertet. Foto: Rudolf Bornemann

Durch diesen Zusatzauftrag konnte die zurückgestufte Pfarrstelle Flechtdorf wieder voll aufgewertet werden. Dort teilen sich Pfarrerin Frank (seit Mai 2004) und Ehemann Pfarrer Ingo Frank (seit Mai 2003) die Arbeit. Die evangelischen Christen in den Diemelseer Ortsteilen Flechtdorf, Benkhausen und Wirmighausen schätzen ihre Arbeit.

„Es gibt einzelne Gebärden, die einen ganzen Satz ausdrücken und damit das Wesentliche ausdrücken können.“

Claudia frank über die gebärdensprache

Seit 1. Oktober hält Frank einmal im Monat den Gottesdienst für Gehörlose in der Korbacher Kilianskirche - in Gebärdensprache, die sie aus dem Elternhaus gewohnt ist. Fünf Jahre stand für diese Aufgabe Pfarrer Lutz Käsemann als Landeskirchenbeauftragter im Rahmen einer Vakanzregelung bereit. Die Bemühungen der Kirchenvorstände, die Vakanzstelle künftig im Interesse der Gehörlosen umzuwandeln, hatten endlich Erfolg.

Für Claudia Frank ist das neue seelsorgerische Feld ein Herzensanliegen. Aus eigenem Erleben weiß sie: „Gehörlosigkeit wird immer noch sehr unterschätzt, weil diese Art von Behinderung nicht sichtbar ist“. Sie macht auf die Isolation Betroffener im Alltag aufmerksam, erinnert sich an Schilderungen der Mutter, wonach Gehörlose oft inmitten von Menschen einsam sind. Wie häufig auch Begegnungen zu Missverständnissen führen, weil Nuancen im Miteinander verloren gehen, weil ein Tonfall in der Stimme nicht wahrnehmbar wird. Frank hat von Kindesbeinen an ein besonderes Gespür für die Benachteiligung Gehörloser entwickelt.

„Es gibt einzelne Gebärden, die einen ganzen Satz ausdrücken und damit das Wesentliche ausdrücken können“, erläutert Frank ihre Gehörlosensprache. Dabei bedient sie sich zeitgemäßer Hilfsmittel wie CDs: „Religiöse Gebärdensprachbegriffe“ oder das „Große Wörterbuch der Deutschen Gebärdensprache“, ein Lehrprogramm von Kestner, helfen ihr dabei. „Es ist oft nicht einfach, einen abstrakten Ausdruck konkret im Inhalt zu vermitteln.“

Lautsprachliche Begleitung

Von ihren Eltern hat Claudia Frank die lautsprachliche Begleitung - zu jedem Wort eine Gebärde (1:1) - übernommen. Seit den 1980er Jahren existiert ein System der Deutschen Gebärdensprache, das von Hörenden und Gehörlosen gemeinsam entwickelt wurde. Es ist dem natürlichen Sprachduktus der Gehörlosen angepasst. Frank: eine elementare Sprachform, ohne Füllwörter als vereinfachte Ausdrucksart.

Offiziell in ihr neues Amt eingeführt wird Claudia Frank im kommenden Jahr – ein Termin steht noch nicht fest. In der Praxis erprobt hat sie ihre seelsorgerischen Begegnungen mit Gehörlosen bereits in zwei Gottesdiensten und in vielen Gesprächen.

Service: Der nächste Gottesdienst für Gehörlose ist für den 19. Dezember, ab 14.30 Uhr in der Kilianskirche angesagt. Daran anschließend findet eine Weihnachtsfeier für Gehörlose statt.

Von Rudolf Bornemann

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