Korbach. Die Kocos Messtechnik AG, Korbachs Aushängesschild in Sachen Hochtechnologie, hat am Stammsitz ein Geschwindigkeitsproblem.
Korbach belegt unter den weltweiten Standorten des führenden Herstellers von Mess- und Prüfsystemen einen unrühmlichen Spitzenplatz. „Überall sind wir schneller als am Hauptstandort“, sagt Vorstandsvorsitzender Thomas Becker.
Er meint die für das Unternehmen so wichtige Übertragung elektronischer Daten. In Korbach geht das mit maximal drei Megabit pro Sekunde (mbit/s). Becker: „Und das auch nur in eine Richtung.“ In der Niederlassung im thüringischen Weimar könne Kocos auf bis zu 200 mbit/s zurückgreifen. Nirgendwo unterm großen Kocos-Dach sei die Datenübertragung so lahm wie in Korbach. Und das, obwohl man auch in Ländern wie Ägypten, Peru, Mexiko vertreten ist, also nicht gerade Hochtechnolgie-Staaten.
Die Situation sei für die Entwicklung eines Hightech-Betriebes nicht gerade förderlich, meint Becker. Sie stelle gar den Hauptsitz in Frage. „Wir haben die Notwendigkeit, von hier aus die Außenstellen anzubinden.“ Korbach sei als Zentrale angesichts des mangelnden Breitbandes ungeeignet. Bleibe das so, habe Kocos keine andere Chance, als mit der Zentrale nach Weimar zu ziehen - nicht dieses oder nächstes Jahr, vielleicht aber später - meint der Vorstandschef.
Erklärtes Ziel sei es, durch Videokonferenzen auf Flugreisen verzichten zu können. Als Mindestvoraussetzung sei dafür eine Datenübertragung mit 16 mbit/s nötig. Zwar liege es ihm fern, so Becker, „diese albernen Wirtschaftsdrohungen“ vom Wegzug von Betriebsteilen und Mitarbeitern zu machen. „Aber entweder wir kriegen in absehbarer Zeit diese Bandbreite oder wir müssen reagieren.“ Thomas Becker, gebürtiger Epper, ist mit der Region stark verbunden. 2007 investierte der Betrieb 1,5 Millionen Euro in seinen Neubau am Südring. Doch inzwischen schreite das Wachstum weniger am Stammsitz Korbach als an anderen Standorten voran.
Auf die Probleme von Kocos machte Grünen-Stadtverordneter Dr. Holger Pütz in der Sitzung am Mittwoch aufmerksam. Dazu erklärte Thorsten Peter, Leiter der Abteilung Stadtentwicklung, das Ziel einer Breitbandversorgung in Korbach werde in Kürze erreicht. Derzeit werde eine Trasse für die Glasfaserleitung verlegt. Unitymedia schließe 11 000 Haushalte an. Thomas Becker ist von der Stadt am Donnerstag darüber informiert worden. Der Kocos-Chef: „Die dann zur Verfügung stehende Geschwindigkeit würde uns reichen.“
Von Andreas Hermann



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