2029.08.1029.08.10|Korbach/ Waldeck|
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Korbach. Der Jedermann hatte Premiere vor nahezu ausverkauften Tribünenplätzen. Was das Ensemble der Freilichtbühne Korbach den etwa 450 Besuchern vor dem historischen Figurenportal der Korbacher Kilianskirche bot, war ein beachtliches Stück Theaterkunst und wurde denn auch mit stehendem Beifall quittiert.

Beeindruckend: Johannes Schröder (vorne), der in dieser Szene als Teufel zu darstellerischer Höchstform aufläuft. Im Bild hinten (von links) Natalie Schmid in der Rolle als der „Glaube“, Jens Lessing alias Jedermann und Elke Barlozek als „Werke“.
Hugo von Hofmannsthals „Spiel vom Sterben des reichen Mannes“ ist keine leichte Kost. Die mittelhochdeutsch gefärbte Sprache verlangt den etwa 25 Darstellern und dem Publikum einiges ab. Doch die Wortgewalt des Textes, eingebunden in ein virtuos inszeniertes Spektakel in historischen Kostümen mit effektvoller Beleuchtung fesselte von Anfang an.
Der reiche Jedermann wird plötzlich mit dem Tod konfrontiert, der ihn auf Gottes Geheiß zum Gerichtstag vor den Höchsten rufen soll. Er soll sich verantworten für die Todsünden, die er begeht: Völlerei, Prahlerei, Geiz, Wolllust und mehr. Warnungen und Mahnungen haben ihn nicht geschert - nun im Angesicht des Todes überkommt ihn die Angst und er sucht Begleitung für seinen letzten Weg.
Doch niemand seiner Freunde, Knechte und auch sein Geld nicht wollen mit ihm gehen. Erst nach dem Auftritt seiner Werke und des Glaubens kehrt er innerlich um, bekennt sich zum Christentum und steigt als reuig Bekehrter ins Grab. Der Teufel, der ihn schon sicher bei sich wähnt, scheitert.
Die glaubensstarke Mahnung, die nach dem Vorbild mittelalterlicher Mysterienspiele durch die Personifizierung abstrakter Wesen eindringlich auch in der heutigen Zeit Moral und Hinwendung zum Wesentlichen einfordert, wird brillant in Szene gesetzt. Auch dank der Regie von Ute Bielig, die auch eindrucksvoll Jedermanns Mutter spielt, und der professionellen Beratung von Günter Treptow.
Allen voran ist der Jedermann zu nennen. Jens Lessing verkörpert die Figur in all ihren Facetten: zynisch, rechthaberisch, überheblich, charmant, grüblerisch, verzweifelt und am Ende auch voller Demut. Das sind große Auftritte - das ist Schauspielkunst, die weit über das Amateurtheater hinausgeht. Starke Momente gibt es zwischen ihm und Andreas Göge, der als Mammon mit großen Gesten und ungeheurem Temperament schillernd die Macht des Geldes in Szene setzt.
Leicht verrucht Jennifer Strube als Buhlschaft ganz in Rot, die sich schnell einen neuen Liebhaber sucht, als Jedermann ins Grab gerufen wird. Phantastisch in seiner großen Doppelrolle zeigt sich Johannes Schröder als Guter Gesell und Teufel. Was dem jungen Darsteller manchmal an letzter Hinterhältigkeit im Blick fehlt - einfach, weil er so sympathisch wirkt - macht er durch Gestik, Sprache und Mimik wett und läuft als Teufel am Schluss zu Höchstform auf. Große Auftritte auch bei Elke Barlozek als „Werke“, Natalie Schmid, die als „Glaube“ im Rittergewand einer Jeanne d‘Arc erscheint sowie dem effektvoll geschminkten Tod (Klaus Uwe Pötzsch), der distanziert aus dem Dunkel auftaucht und dessen kalte blechern anmutende Stimme für Schauer sorgt.
Korbach bietet mit diesem „Jedermann“, bei dem neben Ute Bielig auch Harald Rösler und Herbert Schattler als Ehemalige aus früheren Aufführungen dabei sind, ein sehenswertes Stück, dessen Besuch sich unbedingt lohnt.
Service: Aufführungen zum Preis von 13,50 Euro für Erwachsene, 7 Euro für Schüler und Studenten: Mittwoch, 1. September, Freitag, 3. September, Samstag, 4. September, Sonntag 5. September, Mittwoch 8. September, Freitag 10. September, Samstag 11. September und Sonntag 12. September.
Kartenbestellung: Bürgerbüro Korbach, 05631/ 53232 sowie Freilichtbühne Korbach 05631/ 2555 Fax 05631/ 2558 E-Mail: info@flb-korbach.de; www.flb-korbach.de
Ein Teil des Einspielergebnisses wird dem Verein Kiliansorgel e.V. für die neue Orgel in der Kilianskirche zur Verfügung gestellt. (ztb)
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