Kassel. Auf der Bühne öffnet Josef Stankowski (Willi Lieverscheidt), ein abgewrackter Draufgänger mit fettigen Haaren, ausgebeultem Trenchcoat und Lederstiefeln, zuerst eine Flasche Bier - mit den Zähnen. Einige der siebzig Zuschauer am Donnerstag im Schlachthof fühlten den Schmerz spontan mit.
Dabei war der Anfang von „Dirty old stories from a dirty old man“ noch harmlos. Doch der Alkohol blieb ein ständiger Begleiter.
Nach Geschichten des amerikanischen Schriftstellers Charles Bukowski (1920-1994) hat Willi Lieverscheidt, Gründer der Theatergruppe „Compagnia Buffo“, ein ebenso derbes wie temporeiches Bühnenstück geschrieben. Zwei Stunden lang durchlebte seine Figur Josef Stankowski die skurrilsten Fantasien und Ängste: Gewalt, Kannibalismus, Drogenmissbrauch und - vor allem - Sex.
Doch die vielen Tabubrüche wirkten oft absurd komisch. Lieverscheidt setzte die vor Blut und Bier triefenden Episoden so energiegeladen und grotesk in Szene, dass aus der Vorlage schließlich ein packendes Ein-Mann-Theater wurde.
Blitzschnell wechselte der Vollblutschauspieler die Rollen zwischen Stankowski, seinem perfiden Hausarzt, Hitler oder der südländischen Juanita. Die Form reichte vom Schattenspiel mit Videoeinspielern bis zur Hundedressur. Dazwischen grölte er auch mal eine Rocknummer, malträtierte seine Schreibmaschine oder legte ein Tänzchen aufs Parkett.
Am Ende schwang er als Dirigent den Taktstock, während das Publikum „Oh schöne Liebesnacht, stille mein Verlangen!“ anstimmte. Die Zuschauer johlten, es gab mehrfach begeisterten Applaus. Denn so oft die Geschichten des „dirty old man“ Stankowski auch anwiderten, Lieverscheidts Theaterspiel war erstklassige Unterhaltung.
Von Felix Werthschulte



Empfehlen Sie diesen Artikel Ihren Freunden und Bekannten!
Bitte berichtigen Sie oben aufgeführte Fehler und klicken danach noch einmal auf den Absenden Button.
Bitte setzen Sie sich mit der technischen Abteilung in Verbindung.
Nicht alle Aufgaben konnten abgearbeitet werden.