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Eröffnungsfilm der Berlinale: „Les Adieux à la Reine“ vom Beginn der Revolution

Eröffnungsfilm der Berlinale: „Les Adieux à la Reine“ vom Beginn der Revolution

Die Berlinale eröffnet mit einer Königin

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Berlin. Wer in Versailles lebt, den juckt es. Die junge Bedienstete Sidonie kann selbst in Anwesenheit der Königin nicht anders, als sich heftig die Insektenstiche zu kratzen. Was für eine Ungehörigkeit - aber Marie-Antoinette hat Verständnis.

© Bethuel /nh

Schick: Xavier Beauvois und Diane Kruger als Königspaar (links) in Benoït Jacquots Kostümfilm „Leb wohl, meine Königin“.

Im Schlafgewand beugt sich die Königin auf ihrem Bett wie eine Freundin ganz nah zu ihrer Vorleserin, salbt ihr die Stiche.

Für Minuten möchte die Königin dem Hofzeremoniell entfliehen und so tun, als wäre man sich wirklich nah. Doch Sidonie weiß, dass das alles Träumerei ist, Illusion, auch wenn sie sich nach der Zuwendung der himmelweit über ihr stehenden Adligen sehnt. Standesunterschiede sind in Frankreich unter Louis XVI. in Stein gemeißelt. Wenn auch soeben die Bürger draußen einen Aufruhr anzetteln.

Regisseur Benoït Jacquot erzählt in „Les Adieux à la Reine“ von den Tagen um den 14. Juli 1789 - aus Sicht des Versailler Hofstaats. Ein opulenter Eröffnungsfilm der Berlinale, eine komplex gebaute Geschichte mit nur kleinen Durchhängern.

Versailles, das ist hier nicht der Spiegelsaal. Das sind die schmalen Gänge hinter den Prachträumen, enge Treppen, Schlafkammern für Heerscharen an Personal, die für all die höfische Prachtentfaltung sorgen. Sie pflegen die Perücken, sortieren den Schmuck, tragen die Sänfte.

Der Zuschauer blickt über Schultern auf das Gewusel in den Fluren. Die sich bewegende Kamera, die gezielt mit Unschärfen arbeitet, erzeugt ein stetig wachsendes Gefühl von Unruhe - verschärft noch ab jenem Moment, als die Nachricht von den Aufständen zu den Höflingen durchsickert.

Sie fürchten das Schlimmste, fangen im ganz Kleinen aber trotzdem sofort an, aufzubegehren: Ein bisschen wie eine Schulklasse, wenn der Lehrer nicht auftaucht.

Jacquot tappt nicht in die Falle, plakative Parallelen zu Aufständen von heute herzustellen. Er schnürt das historische Korsett aber auch nicht zu eng, wird nicht museal. Damit kann sich die Geschichte ins Allgemeinere öffnen. Eine Szene, wo sich in des Königs Perücke Spinnweben verfangen haben - oh, là, là: ein Mann von gestern -, ist aber viel zu platt.

Erzählt wird aus der Perspektive Sidonies, sehr zurückgenommen (fast zu sehr) und präzise gespielt von Léa Seydoux. Sidonie ist klug genug, zu begreifen, dass hier unumkehrbare Umwälzungen vor sich gehen. Sie ist zugleich ein treues Mädchen. Um die Gunst Marie-Antoinettes zu gewinnen, lässt sie sich auf ein riskantes Manöver ein.

Diane Kruger ist diese Königin, und spielt sie innerlich zerrissen. Einerseits will sich Marie-Antoinette im überbordenden Luxus und in ihren exaltierten Gefühlsaufwallungen vor der Welt verschanzen, andererseits taktiert diese Königin im Hintergrund und ist keineswegs naiv unter ihrem Haarungetüm. (fra)

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