Wenn der detektivische Mönch William von Baskerville in der Klosterbibliothek das Geheimnis um die Mordserie in der norditalienischen Abtei gelüftet hat, hat er damit viel mehr bewirkt, als nur einen Kriminalfall aufzuklären. Umberto Ecos legendärer Roman „Der Name der Rose“ wirkt auf vielen Ebenen - und weit über sein Veröffentlichungsjahr 1980 hinaus.
Heute wird sein Autor 80 Jahre alt. Der Philosophieprofessor aus Bologna hat mit „Der Name der Rose“ einerseits eine lang anhaltende Faszination für Mittelalter-Rätselromane ausgelöst, von der Schriftsteller wie Dan Brown („Sakrileg“) und andere weit mehr als nur ihre Brötchen bezahlen können.
Andererseits hat er einem Romangenre zur Popularität verholfen, das literarisch auf der Welle der Postmoderne segelt. „Der Name der Rose“ lässt sich auf verschiedenen Ebenen lesen: Als Krimi - als den Bernd Eichinger den Stoff erfolgreich verfilmt hat. Als Zeitgeschichte, die das späte Mittelalter lebendig macht. Als philosophischer Essay über Aristoteles, als verschlüsseltes Statement zur Politik des 20. Jahrhunderts.
Und als Schrift über Schriften, also über die Frage, ob unser Realitätsbild aus einer sogenannten Wirklichkeit oder aber aus bereits vorhandenen Bildern davon gestaltet wird. Interessanterweise beschäftigt sich der Semiotiker (Zeichentheoretiker) Eco in seinen Werken oft mit Verschwörungstheorien: Die entstehen gerade aus dem Wunsch, Zusammenhänge in der Weltgeschichte mit einer einzigen, klaren Ursache zu erklären - eben einer Verschwörung. Eine Gegenreaktion vieler Menschen zur erfahrenen Komplexität der Welt.
Ecos Anspruch, in seinen Romanen Zeichensysteme zu erklären und dabei einen unterhaltsamen Streifzug durch die Historie zu unternehmen, wurde teilweise von der Kritik als weniger gelungen bezeichnet, etwa beim neuesten Werk „Der Friedhof in Prag“.
Bei einem Menschen, dessen Privatbibliothek 50 000 Bände umfasst, könnte man glauben, dass er sich ausschließlich in der Welt der Bücher bewegt. Doch Umberto Eco nimmt in Italien auch die Stellung eines kritischen politischen Beobachters ein. Er ist ein sich einmischender Intellektueller, wie er in Deutschland kaum noch vorkommt.
Eco schreibt Artikel für verschiedene Tageszeitungen und das Wochenmagazin „L’Espresso“, und er ist Mitherausgeber der Internetzeitschrift „Il golem indispensabile“. Im Jahr 2002 gründete er zusammen mit anderen unorthodoxen Linken die Gruppe „Libertà e Giustizia“ (Freiheit und Recht), die sich als intellektuelle Opposition gegen Ministerpräsident Silvio Berlusconi verstand.
Kurz vor der italienischen Parlamentswahl 2006 veröffentlichte Eco seine gesammelten politischen Schriften unter dem Titel „A passo di gambero“ (Im Krebsgang voran). Berlusconi verlor diese Wahl - allerdings würde nicht einmal Eco selbst behaupten, dass sein Buch damals den Ausschlag gab.
Von Bettina Fraschke und Werner Fritsch



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