Kassel. Was wir immer schon über Tanz wissen wollten, hier hören wir es. Fragen und Antworten aus dem Off. Ja, Tänzerinnen haben es schwer. Sollen die Lebenserfahrung von 50 haben und den Körper von 20. Wollen alle erreichen, aber haben auch ihren eigenen Anspruch.
Bettina Paletta im Improvisationslabor liefert dazu Anschauungsunterricht. Drei Begriffe wie Lose gezogen: Bein, Hochtief, Fliegen. Sie entwickelt daraus eine kleine Tanzstudie. So leicht ist das, so schwer.
Die Tänzerin und Choreografin Pamela Hering hat mit Unterstützung von Kunstwissenschaftlerin Barbara Bergmann „Say easy“, ein Stück über den zeitgenössischen Tanz erarbeitet, Klischees, Wahrnehmung und Ästhetik ins Blickfeld des Publikums gerückt. Wie in einer Collage facettieren sich Interviews aus dem Off mit kleinen Stücken auf der Bühne, sozusagen Theorie und Praxis. Fünf auf der Bühne im Dock 4, in schwarze Kleidchen mit weißen Servierhäubchen und Schürzen gekleidet. Zum Walzer „An der schönen blauen Donau“ verschränken sie klassische Schrittkombinationen mit zeitgenössischem Bewegungsmaterial, Die Pose von damals und das Feeling von heute - witzig ist das, hip und sexy.
Tanz greift Impulse der Gesellschaft auf: Zum Song „I Don’t Like Mondays“ und in der Choreografie von Pamela Hering tanzt die ausdrucksstarke Greta Bebenroth mit einem weißen Kopfkissen - Zärtlichkeit und Aggression einer Kindfrau. Sie schlitzt den Stoff auf, Federn überall. Ein poetisch-irritierendes Stück mit wahrem Hintergrund: Eine 16-Jährige hat ihre Mitschülerinnen erschossen, am liebsten die mit den Daunenjacken, können wir lesen.
Fast sakral mutet die Choreografie von Anna-Lena Tietje an, ein Stück für drei Tänzerinnen zur Bach-Musik, Bewegungsmuster wie Kleinode, in Strenge und Stille gefasst. Und währenddessen ziehen sich die knapp gekleideten Tänzer ihre Kleider an.
Für „Say easy“ wurde stürmisch applaudiert, für Tanzfreunde sollte dieses Stück ein Muss sein.
Nächste Vorstellungen am 11. und 12. Februar, 20 Uhr, im Deck 1 im Dock 4.
Von Juliane Sattler



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