Der jetzt auf Deutsch erschienene erste Roman „Das Alphabethaus“ des dänischen Erfolgsautors Jussi Adler-Olsen steht seinen hierzulande schon bekannten Werken um den Ermittler Carl Mørck an Hochspannung und der für die skandinavischen Autoren typischen Härte in nichts nach.
Doch anders als sie spielt „Das Alphabethaus“ in Deutschland, am Ende des Zweiten Weltkriegs, hat mit Dänemark überhaupt nichts zu tun und ist kein Krimi, sondern ein packender Thriller, den man am liebsten am Stück schmökern würde.
Die britischen Jagdfliegerpiloten James Teadale und Bryan Young, die sein Kindertagen beste Freunde sind, werden auf einer Aufklärungsmission abgeschossen. Sie retten sich, indem sie auf einen deutschen Krankentransportzug aufspringen, in dem verletzte hochrangige SS-Offiziere nach Hause gebracht werden - auch psychisch Kranke.
Die Briten nehmen die Identität von zwei seelisch erkrankten Deutschen an und werden in ein geheimes Sanatorium für psychische Erkrankungen gebracht. Doch erleben sie Dinge, die sie noch Jahrzehnte später beschäftigen.
Auf grausame aber zugleich fesselnde Weise entführt Adler-Olsen in die unmenschliche Welt der Behandlung psychisch Kranker unter den Nazis, taucht ab in menschliche Niederungen und zeigt die Sinnlosigkeit des Krieges auf.
Wer Hochspannung mag und nicht vor teils sehr harten Szenen zurückschreckt, für den ist dieses Buch das Richtige. Auch wenn es am Schluss etwas unrealistisch wird.
Jussi Adler-Olsen: Das Alphabethaus, dtv, 588 S., 15,90 Euro, Wertung: !!!!:
Von Michael Schorn



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