517.03.1017.03.10|Kultur|
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KASSEL. Ein Gute-Nacht-Kuss ist sanft. Ein Gute-Nacht-Kuss gibt Geborgenheit. Ein Gute-Nacht-Kuss verheißt süße Träume. In der Choreografie „Kiss me good night“, die die Compagnie Linga aus Lausanne (Schweiz) beim Internationalen Tanzfestival präsentiert, dauert es eine Weile, bis sich das Gefühl von Geborgenheit einstellt. Das Stück von Katarzyna Gdaniec und Marco Cantalupo nimmt das Publikum im nahezu ausverkauften Schauspielhaus mit auf eine Reise durch die Nacht.

Bilder der Nacht: Victoria Pérez und Evangelos Poulinas amüsieren sich bei einer Party unter Freunden. oFoto: Malmus
Schlaflos wälzt sich der Mann im Sessel. Er schreckt hoch, wirft sich auf den Boden, um gleich darauf wieder in die Höhe zu schnellen. Die schnellen, fließenden Bewegungen von Evangelos Poulinas sind eindrucksvoll. Sie wirken wie in einer Filmsequenz, die vor- und zurückgespult wird. Das ist perfekte Körperbeherrschung.
Szenenwechsel. Zwei Menschen (Ai Koyama und Martin Roehrich) begegnen sich im Dunkeln. Sie wirken verloren, isoliert. Sie stürzen sich in eine leidenschaftliche Liaison, in ein Wechselspiel aus Annäherung und Distanz. Die Nacht ist aber auch Nährboden für Aggression und Gewalt. In der Dunkelheit werden Frauen zu Opfern, Männer leben ihre körperliche Überlegenheit aus.
Die Compagnie Linga beweist, dass sie zu Recht eines der wichtigsten der zeitgenössischen Tanzensembles der Schweiz ist. Die Episoden, die die Nacht als Ort der Angst, der Leidenschaft, der Aggression zeigen, sind eine perfekte Symbiose aus Tanz und Schauspiel. Sie leben von virtuosem Körpereinsatz und Dynamik. Zum Beispiel, wenn die sechs Tänzer scheinbar mühelos eine Wand empor klettern, wenn sie sich bis zur Erschöpfung im Discolicht verausgaben.
Am Ende gibt es sie doch noch: die wahre Liebe, Romantik. Mit verspielter Leichtigkeit tanzen Victoria Pérez und Evangelos Poulinas durch die Schlusssequenz. Sie haben ihr Glück in der Nacht gefunden. Ein süßes Ende für einen sensationellen Tanzabend.
Tanzfestival heute: „Sporen“, Company Leine & Roebana aus Amsterdam, Schauspielhaus, 20 Uhr, morgen: „Divas on the rocks“ von Henß & Kaiser aus Kassel, tif, 20.15 Uhr, Karten: 0561-1094-222.
Von Pamela De Filippo

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