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Franka Potente legt mit Kurzgeschichten aus Japan ihr literarisches Debüt vor

Die Fassade ist alles

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Wie tief kann eine deutsche, in den USA lebende Schauspielerin in den japanischen Alltag eintauchen, um darüber Kurzgeschichten zu schreiben? Franka Potente riskiert, ihre erste literarische Veröffentlichung in Fernost anzusiedeln.

Vermag sie mehr, als nur an der Oberfläche zu kratzen? Kann die 36-Jährige, die einst in Hans-Christian Schmids wunderbarem Film „Nach fünf im Urwald“ ausriss, in Tom Tykwers tollem „Lola rennt“ durch Berlin flitzte und in „Blow“ Johnny Depp küssen durfte, überhaupt schreiben? Immerhin hatte sie zuletzt mit einem Fitness-Buch eher wenig von sich reden gemacht.

Potente bedient sich eines Tricks: Sie baut japanische Begriffe ein, die fremd anmuten - ob es der Gaijin ist, der „Außenmensch“, oder der Kotatsu, ein beheizter Tisch, unter den man die Füße streckt. Ausgezeichnet funktioniert das beim Essen. Es wird viel gegessen in ihren Stories, Yatsuhashi, süße, gefüllte Reisteigkonfekte, Akashiyaki, Omelettbällchen mit Oktopus, und immer wieder die klebrigen Mochi - Gebäckstücke aus süßem Reis.

Wir sind alle Gaijin, Außenmenschen: Manche Geschichten spielen, wo Touristen mit Einheimischen in Berührung kommen, wie im Laden von Frau Michi, die Fächer verkauft: Souvenirs. Tetsuo hütet das blonde Haar der Schwedin Ingeborga wie einen „güldenen Schatz“, doch überfordert ihn ihre Direktheit gnadenlos. Die anrührendste Geschichte spielt folgerichtig in Los Angeles, wo die Schülerin Naski während eines Austauschjahres Freiheit genießt - ihr Sich-wohl-fühlen spiegelt das heimische Eingezwängtsein.

Was wir über Japan erfahren, entspricht unserem Bild einer leistungsorientierten, distanzierten Gesellschaft. Ob es zum Klischee geronnen ist? Bei Potente gibt es dahinter keine andere Wirklichkeit. Da ist das Paar, das einen Stammhalter erhofft, das Ungeborene nach einem ausgeklügelten Bildungsplan mit CDs beschallt und vor der Geburt ausrechnet, welche Schule es sich wird leisten können. Da sind Männer, die ihre Mütter nicht umarmen dürfen, aber sich in Strip-Bars gehen lassen. Etikette, Konventionen, Fassade - darauf kommt es an. Japaner, lernen wir, werden zerrieben zwischen starren Traditionen und modernem Tempo und Druck.

Die Geschichten sind unterschiedlich gehaltvoll. Ihre Konstruktion funktioniert, die Sprache ist einfach, manchmal fehlt der letzte Kick, die überraschende Auflösung. Die Menschen, die Potente erfindet, die traurig sind und einsam, sie aber gehen einem nah. Franka Potente: Zehn. Piper, 168 S., 16,95 Euro, Wertung: !!!::

Von Mark-Christian von Busse

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