Kassel. „Es ist nie zu spät, wenn die Angst einen quält, für einen neuen Wind.“ Mit einfühlsamen Mutmach-Texten, rauchzarter Stimme und Melodien mit Ohrwurm-Charakter hat sich der WahlHamburger Johannes Oerding in kurzer Zeit zum Shooting-Star gemausert.
750 Besucher sorgten am Sonntag im Kasseler Musiktheater bei bei seinem Konzert für eine imposante Kulisse. Offensichtlich sind volle Hallen für den Gefühls-Sänger und Freund der Entertainerin Ina Müller noch keine Selbstverständlichkeit: „Ich bin ganz aufgeregt und glücklich, dass ihr so zahlreich erschienen seid“, begrüßt er das Publikum. Glaubhaft und gefühlvoll kommt das rüber.
Genauso wie die Stücke seines neuen Albums „Boxer“. Ehrlich und authentisch klingen sie. Mit ihm auf der Bühne seine Band, in der neben Bassisten, Keyboarder und Schlagzeuger noch zwei weitere Gitarristen den Soundteppich legten. Das Publikum scheint die meisten Stücke auswendig zu können und bekam reichlich Gelegenheit, das unter Beweis zu stellen. Kaum ein Lied, in dem Oerding nicht dazu animiert.
Vom Gefühlsmenschen zum Entertainer Oerding ist es nur ein kleiner Schritt. Seine Konzerte sind Mitfühl- und Mitmachkonzerte gleichermaßen: „Ich zeige euch mit meiner Hand eine Zahl, und ihr ruft so oft: oh, oh, oh“. Er versteht es, sein Publikum zu unterhalten: als sympathischer Musiker, der sich artig dafür bedankt, dass „ihr meine CDs kauft“, als Mensch von nebenan, der die gleichen Ängste hat wie seine Zuhörer, aber auch als Spaßmacher mit Frechdachs-Charme: „Sie da hinten. Sie wohnen doch bei mir im Hotel. Heute Nacht aber bitte etwas leiser.“
Im Kontrast dazu stehen seine Lieder: „Engel“, „Wenn du mich brauchst“, „Boxer“ – Gefühl pur. Musiktechnisch sind es keine Doktorarbeiten. Die Arrangements sind leichte Kost, die Wirkung jedoch ist stark. Seine gesanglichen Fähigkeiten sind beachtlich: von zärtlich bis rau, von kraftvoll in die Höhe geschraubt bis zärtlich ins Ohr geschluchzt – Oerding pendelt gekonnt zwischen den Facetten. Euphorischer Applaus.



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