Die Gehörlosen wollen sich beim Fernsehen nicht länger mit Brosamen abspeisen lassen. Unter Hinweis auf die UN-Behindertenrechtskonvention fordern sie 100 Prozent Untertitel, um barrierefrei fernsehen zu können. Zumal die Behinderten ab 2013 Rundfunkgebühren zahlen müssen – ein Drittel der Summe.
Der hessische Landesverband der Gehörlosen hat vor allem den Hessischen Rundfunk (hr) im Visier, der mit einem Untertitel-Anteil von 15 Prozent im Jahr 2011 am schlechtesten unter den ARD-Anstalten abschnitt.
Bei einer Podiumsdiskussion am Dienstagabend in Frankfurt hatte hr-Fernsehdirektor Manfred Krupp mit finanziellen Argumenten daher auch keinen leichten Stand. Zwar soll ab 2013 einiges verbessert werden; fest steht aber nur, dass der hr die „Hessenschau“ mit Untertiteln versehen will, weil das hr-Fernsehen mit dieser Sendung die meisten Menschen erreiche. 150 000 Euro wolle man dafür in die Hand nehmen.
Zudem habe sich die ARD verpflichtet, ab 2013 alle neuen Sendungen im ersten Programm barrierefrei auszustrahlen. Schon jetzt trage der hr rund 7,4 Prozent der Ausgaben für die Untertitel im Gesamtprogramm der ARD – darunter auch für die „Tatort“-Folgen aus Hessen. Laut Krupp hört sich die Untertitelung leichter an, als sie ist, insbesondere bei Livesendungen sei es technisch schwierig, qualitativ zufriedenstellende Lösungen zu finden.
Die meisten Beschwerden bekomme der hr von Hörbehinderten wegen der Lautstärkesprünge – etwa zwischen gesprochenem Text und Musik. Um hier Abhilfe zu schaffen, sollten 60 000 Euro investiert werden.
Verblüfft reagierte Krupp auf die Forderung des Chefs des Gehörlosen-Landesverbandes Achim Kreutz: Er schlug vor, der hr könne doch eines seiner Radiogramme aufgeben, um finanzielle Ressourcen für die Untertitel zu gewinnen. Man werde sicher nicht verschiedene Gruppen gegeneinander ausspielen, so der Fernsehdirektor. Sehbehinderte und Blinde etwa schätzten das vielfältige Radioangebot sehr.
Von Petra Wettlaufer-Pohl



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