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Wo das Herz sprechen soll

Der chinesische Kunstprofessor Gao Yingjin plant ein Kunstprojekt zu den 7000 Beuys-Eichen

Wo das Herz sprechen soll

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Kassel. Es ist nicht alltäglich, dass man als HNA-Berichterstatter beim Pressegespräch gefilmt wird. Das Interview mit Professor Gao Yingjin aber zeichnet sein Student Cui Kegang, genannt Mr. Korn, auf. Das Kunstprojekt, das die beiden organisieren, dreht sich wesentlich um Kommunikation: mit Behörden, Medien, mit dem Publikum. Auch sie soll dokumentiert werden.

Abbild eines Baums: Prof. Gao Yingjin mit einem Abdruck. Foto: von Busse

Abbild eines Baums: Prof. Gao Yingjin mit einem Abdruck. Foto: von Busse

Nach einer alten chinesischen Technik will Gao Yingjin, Direktor des Forschungszentrums für Visuelle Kunst in der 10-Millionen-Hafenstadt Tianjin, von einigen der Kasseler Beuys-Eichen und Basaltsteinen sowie von Bäumen aus dem Nationalpark im Kellerwald Abdrücke nehmen. Die sogenannten „Imprints“ sollen Mitte Juni in der Region, darunter in der Wandelhalle Bad Wildungen, ausgestellt werden - und später in China.

„Alles hat einen Geist“, ist Gao überzeugt - auch Bäume und Steine. Um mit der Natur zu kommunizieren, müssten wir nicht den Verstand, sondern das Herz sprechen lassen. Und was die Hände fühlen, sei mehr, als man mit den Augen erfassen könne. Die Abdrucktechnik des „Ink-Rubbing“ könne diesen tieferen Bedeutungsgehalt erfassen. Die so gewonnenen Spuren seien „eine schweigsame Art des Erzählens“.

Gao plädiert also für ein ganzheitliches Denken und für Dialoge über Grenzen hinweg. Er will Traditionen der chinesischen Philosophie und die „grünen“ Ideen eines Joseph Beuys verbinden und sie anschaulich machen - und eine abstrakte ebenso wie Konzeptkunst schaffen.

Um die Abdrücke vorzubereiten, Kooperationspartner zu gewinnen und Genehmigungen einzuholen, haben die beiden Chinesen jetzt eine Woche lang Nordhessen besucht. Für seinen Assistenten Cui Kegang war es nicht der erste Aufenthalt - er zählte zu den 1001 Chinesen, die der Künstler Ai Weiwei während der documenta 2007 nach Kassel gebracht hat („Fairytale“). Das habe ihm Augen und Sinne geöffnet und sein Leben verändert, sagt Cui - vor allem weil er Dr. Peter Hallberg (Niederkaufungen) kennengelernt habe.

Hallberg, einer der Kasseler Schulamtsdirektoren, der unter dem Namen Pitto selbst künstlerisch tätig ist, ebnet den Chinesen vor Ort alle Wege, er hat sie unterstützt, bei Terminen begleitet, Sehenswürdigkeiten wie die Stiftskirche gezeigt. Warum er das tut? „Weil es Freude macht“, sagt er, „als Ausgleich zur täglichen Arbeit.“ Hallberg hat durch den Kontakt nebenbei gelernt, wie man „richtig Tee kocht“. Auch das eine Folge von Kommunikation.

Von Mark-Christian von Busse

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