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Andreas Homoki zeigt „Meistersinger“ an der Komischen Oper

Immer um die Häuser

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Berlin. So gut wie kein anderes Werk passen „Die Meistersinger von Nürnberg“ an sein Haus, findet Intendant Andreas Homoki. An der Komischen Oper Berlin präsentiert er dem Publikum eine entschlackte, abstrakte Version des biederen Butzenscheiben-Nürnberg. Vollkommen unidiologisch ist seine Lesart der Richard-Wagner-Oper. Er treibt dem Stück oder besser seiner Aufführungsgeschichte die politischen Flausen aus samt Patriotismus.

Ausdrucksstark: Der Sänger Tómas Tómasson als Hans Sachs. Foto:  dpa

Ausdrucksstark: Der Sänger Tómas Tómasson als Hans Sachs. Foto:  dpa

Das ist gar nicht verkehrt, denn dadurch, dass nichts den Höreindruck optisch schmälert, richtet sich die Konzentration ganz auf die Musik. Die entfaltet unter Chefdirigent Patrick Lange soghafte Magie. Dieser junge Mann versteht es nicht nur bestens, Klangräume aufzubauen, er formt auch ein dynamisches Ganzes. Anfangs zügig und ohne Scheu vor Lautstärke, läuft er mit dem Orchester im dritten Akt zu wahrer Größe auf.

Wenn Eva, Sachs, Walther, David und Magdalene zum Quintett im leeren Raum ansetzen, dann entfaltet die Rede des Schusters „’s war ein schöner Abend-(Morgen-)Traum“ mit stiller Wucht eine lyrische Qualität, dass man Abschied nehmen möchte. Der 29-Jährige gibt den Ton an, nicht die Marschrichtung vor.

Ohne pathetisch zu werden, nimmt er sein Team, Orchester und Sänger, mit auf die Reise nach innen. Sie führt zum Grund der Dinge, die unaussprechlich bleiben und doch durch Musik gesagt werden können. Es sind diese Momente der Verdichtung, hoher Intensität, die den Hörer ins Herz treffen. Eine reife Leistung.

Gesanglich glänzen Karolina Gumos als Magdalene und Tom Erik Lie als Sixtus Beckmesser. Marco Jentzsch ist ein veritabler Stolzing und Tómas Tómasson ein kerniger Hans Sachs, der tatsächlich wie ein Schuster wirkt. Lebenserfahren agiert und moderiert er. Vom Schmerz des Alters merkt man allerdings wenig, und auch seine innige Beziehung zu Eva (Ina Kringelborn) wirkt eher beiläufig.

Homoki legt die Betonung nicht auf Tiefsinn und Tragik, sondern stellt die komödiantische Leichtigkeit heraus. Das artikuliert sich vor allem in der Bewegungsführung der Protagonisten und des Chores. Wer nicht an die Rampe drängt, darf unentwegt um die grauen Papphäuser ziehen, die um einen Kirchturm gruppiert sind.

Manchmal entleert sich die simple Bühne von Frank Philipp Schlößmann, auf der eine Art Verschiebebahnhof der Pappunterkünfte stattfindet, auch ganz. Man blickt dann auf einen schwarzen, leeren Raum. Es ist die Realität bar jeder Illusion, die sich eben nur in der Kunst – hier primär der Musik – entfaltet.

Wieder am 7./13./27. November. Karten: 030-47997400.

Von Andrea Hilgenstock

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