Krasses aus dem deutschen Osten

Der Berliner Autor Peter Wawerzinek gewann den Ingeborg-Bachmann-Preis mit Autobiografischem

Krasses aus dem deutschen Osten

028.06.1028.06.10|Kultur|
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Klagenfurt. Mecklenburg-Vorpommern räumte dieses Jahr in Klagenfurt die Preise ab. Der in Rostock geborene Peter Wawerzinek gewann sowohl den Ingeborg-Bachmann-Preis als auch den Publikumspreis, und Judith Zander aus Anklam wurde in dem dreitägigen Wettlesen am Wörthersee von der siebenköpfigen Jury auf den dritten Platz gesetzt und mit dem Kelag-Preis belohnt. Dazwischen schob sich die in Berlin lebende Schweizerin Dorothee Elmiger. Aleks Scholz aus der Umgebung der früheren Bachmann-Preis-Gewinnerin Katrin Passig erhielt als vierter den Ernst-Willner-Preis

Glücklicher Sieger: Der Berliner Autor Peter Wawerzinek vor einem Porträt der Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (1926-1973), nach der der Klagenfurter Wettbewerb benannt ist. Foto: dpa

Glücklicher Sieger: Der Berliner Autor Peter Wawerzinek vor einem Porträt der Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (1926-1973), nach der der Klagenfurter Wettbewerb benannt ist. Foto: dpa

Peter Wawerzinek, der von seinen Eltern in der DDR zurückgelassen wurde, las aus seinem autobiografischen Roman „Rabenmutter“, der in Kürze bei Galiani erscheint. In dem Auszug schildert er seine Ankunft in einem Kinderheim, wo er vermessen und als kleine Person wahrgenommen wurde, wo er sein Ich in einer Umgebung von Schnee und Nebel entdeckte.

Die Jury schätzte diesen Text als „sehr intensiv“ (Hubert Winkels), fand den Erfahrungshintergrund des ältesten Teilnehmers wohltuend (Jean Claude Sulzer), äußerte aber auch Kitschverdacht (Karin Fleischanderl). Lediglich den nicht aus Deutschland stammenden Juroren fiel auf, dass die Behandlung im ostdeutschen Kinderheim „recht herzlich“ (Paul Jandl) war. Mit den Preisen kann Wawerzinek mehr als nur seinen Schneider finanzieren, der ihm extra für Klagenfurt ein dunkelblaues Hemd angepasst hatte, mit Russenkragen und einer diagonalen Knopfleiste.

Nach seiner Lesung sah man ihn mit zwei gefüllten Schnapsgläsern; seinen Schalk ließ er in dem gelesenen Drama immer wieder aufblitzen – eine tolle Lebens- und Schreibleistung, die die Jury und Publikum zu Recht gewürdigt haben.

Die Schweizerin Dorothee Elmiger (25) wurde Zweite in Klagenfurt für ihren Text „Einladung an die Waghalsigen“. Im Vorjahr hatte sie am Literaturkurs in Klagenfurt terilgenommen und sich diesmal für den Wettbewerb selbst gemeldet. Elminger, die an der Freien Universität Berlin Politikwissenschaften studiert, zeigte sich überrascht, dass sie für ihren Roman einen Verlag gefunden hat. „Mir wir es zunächst einmal wichtig, den Roman überhaupt zu schreiben“, sagte sie. Am Ende unterlag sie Wawerzinek mit drei zu vier Jurystimmen.

Von Harald Loch

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