Kassel. Satire kann groß sein, wenn der Autor sie nur lässt. Lässt er sie nicht, sondern erzwingt er den Humor mit vielen Worten, verkümmert sie. Beides war sehr schön bei Fritz Tietz und Mark Stefan-Tietze zu beobachten, die im Programm zur Ausstellung zum 30. „Titanic“-Jubiläum in der Caricatura lasen.
Tietz und Tietze waren zunächst nur eine Randnotiz in der Geschichte des Satiriker-Kampfblattes gewesen. Bevor sie selbst für die „Titanic“ schrieben, publizierten die Autoren im „Dreck-Magazin“ (Bielefeld) und im „Luke & Trooke“ (Münster) - zwei ebenso lokale wie unstete Periodika mit Schülerzeitungsoptik.
Nach einer zu ausführlichen Nostalgie-Reise in die Entwicklungsgeschichte dieser Hefte wurde das Duo konkret satirisch. Beide zitierten aus den besagten Heftchen, aber auch aus Beiträgen, die sie für die „Titanic“, die „taz“ oder auch für das NDR-Magazin „Extra 3“ produziert haben. Wie so oft bei Satire, kam zusammen, was nicht zusammen passt: Weltrevolution klang bei geselligem Beisammensein aus, und unter dem Titel „Der Arbeitsmarkt boomt. Immer mehr Arbeitslose verlieren ihren Job“,schilderte Tietz das bewegende Schicksal des ehemals Arbeitslosen Andy G., der an der Erwerbstätigkeit verzweifelt.
Schön auch das Untergangs-Melodram über das Quelle-Versandhaus als projizierte Bildergeschichte mit ausgeschnittenen Katalogmodels. Nach einigen Längen inklusive Auswälzen von Geschlechterklischees nahm Tietz mit Zitaten aus der populär gewordenen Dissertation über autoerotische Staubsauger-Unfälle noch einmal Fahrt auf. Brillant auch sein Text über den Besuch von ZDF-Moderator Steffen Seibert bei Johannes B. Kerner, der „Talk-Drüse“, wie er ihn nennt. Aus O-Ton-Mitschnitten der Sendung konnte das Publikum verfolgen, wie Seibert auf die Frage, ob er gläubig sei, sich von einem unsicheren „na ja“ in ein brennendes Glaubensbekenntnis versteigt. Das echte Leben ist halt die beste Satire. Amen.
Von Bastian Ludwig



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