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Das Meteoriten-Projekt der documenta kommt nicht zustande

Das Meteoriten-Projekt der documenta kommt nicht zustande

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Kassel. Widerstand in Argentinien hat den Plan der Künstler Guillermo Faivovich und Nicolás Goldberg scheitern lassen, den 37-Tonnen-Meteoriten „El Chaco“ zur documenta 13 nach Kassel zu transportieren und während der 100-Tage-Schau vor dem Fridericianum zu platzieren.

© Foto: von Busse

Meteorit im Museum: 2010 wurde in Frankfurt „El Taco“ ausgestellt. Von links Portikus-Leiter Daniel Birnbaum, Nicolás Goldberg, Carolyn Christov-Bakargiev und Guillermo Faivovich.

Wegen der Kritik von Experten und der örtlichen Bevölkerung habe die documenta ihren Antrag, den Meteoriten auszuleihen, zurückgezogen, heißt es in einer Erklärung auf www.documenta.de. Weil die volle Zustimmung der Bewohner der Region Chaco fehle, wo vor 4000 Jahren ein „Campo del Cielo“ (Himmelsfeld) genannter Meteoritenschauer niederging, werde der Transport nicht vorgenommen.

Die documenta werde sich nie in irgendeiner Weise gegen Wünsche der „pueblos originarios“, der indigenen Bewohner, wenden, hatte die künstlerische Leiterin Carolyn Christov-Bakargiev bereits in einem Brief formuliert, der auf der Homepage der Künstlergruppe Wokitoki zu lesen ist. Der Transport sollte von Sponsoren bezahlt werden, weil es unethisch sei, finanzielle Ressourcen für das Verschiffen eines Steins aufzuwenden.

Protest gegen Transport: Foto von der Homepage der Künstlergruppe Wokitoki.

Faivovich und Goldberg beschäftigen sich seit 2006 mit den Gesteinskörpern, die während der Eroberungen im 16. Jahrhundert in einem 80-Kilometer-Umkreis in Nordargentinien entdeckt und insbesondere seit den 60er-Jahren von Wissenschaftlern erforscht wurden. Inzwischen sind die Meteoriten gesetzlich geschützt. Sie zu bewegen, ist untersagt.

Im Herbst 2010 stellte das Künstlerduo im Portikus in Frankfurt den in den 60ern in Mainz zu Forschungszwecken zerschnittenen Meteoriten „El Taco“ vom „Himmelsfeld“ aus - eine Hälfte war in Buenos Aires, die andere in Washington gelagert. Die Künstler verstanden das symbolische Zusammenfügen als „Heilungsprozess“. Gleichzeitig hat die documenta ein Künstlerbuch über die Meteoriten veröffentlicht. Die beiden wollen auf den Diebstahl des Erbes und der Güter der Ureinwohner aufmerksam machen, indem sie Mechanismen des Kolonalismus sowohl darstellen als auch umkehren.

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass sich der Vorwurf, koloniales Denken werde reproduziert, gegen die Künstler selbst richtet. Indem sie „El Chaco“, den zweitgrößten Meteoriten der Welt, aus dem historischen und landschaftlichen Kontext herauslösen wollten, verletzten sie respektlos die Rechte der Urbevölkerung, der kein Gehör geschenkt worden sei, kritisiert Alejandro Martín López vom Galileo-Galilei-Planetarium Buenos Aires. Die Meteoriten hätten für die Urbevölkerung der Moqoit (spanisch Mocoví) soziale und kosmologische Bedeutung, sie seien Teil ihrer Identität, würden als Quelle für Macht und Reichtum gelten, Himmel und Erde verbinden. Frühere Versuche, den kulturellen Schatz zu stehlen und auszubeuten, sorgten für ihre Verunsicherung.

Der Argentinier Guillermo Fiallo Montero, der in Leipzig Kunst studiert und den Protest in Deutschland verbreitete, glaubt, dass nur die Behörden zugestimmt hätten, weil sie internationale Aufmerksamkeit und Wirtschaftsfortschritte für eine der ärmsten Regionen des Landes erhofften. Fiallo sieht das Projekt als „Spektakel“ und „Schande“ für die Kunstwelt: „Das ist so, als ob man gegen Rassismus ist und Schwarze in einem Käfig ausstellt.“

Weil den Künstlern an breiter Unterstützung gelegen war, kam es am 24. Januar zu einer Moqoit-Versammlung, bei der nach ihren Angaben eine Mehrheit der Leihgabe zustimmte, aber nicht alle Anwesenden überzeugt waren. Deshalb zogen sie ihre Anfrage zurück.

Von Mark-Christian von Busse

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