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Mord, Gewalt und Tiefkühlfisch

Matthias P. Gibert hat seinen neunten Kassel-Krimi veröffentlicht: „Menschenopfer“ spielt unter Japanern

Mord, Gewalt und Tiefkühlfisch

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Kassel. Wenn mit einem großen Krach und in Bergen herumfliegender Zeitschriften eine japanische Luxuslimousine mitten in einem Kiosk auf der Wilhelmshöher Allee zum Stehen kommt, nachdem sie in einer rasanten Irrfahrt durch die Straßenbahnhaltestelle Kirchweg gebrettert war, ist das in Matthias P. Giberts soeben erschienenem neuen Kassel-Krimi „Menschenopfer“ der Moment, um kurz durchzuatmen.

Fisch aus Japan spielt eine wichtige Rolle in Matthias P. Giberts neuem Krimi: Unser Archivfoto zeigt den Fischmarkt im japanischen Shiogama. Foto:  dpa

Fisch aus Japan spielt eine wichtige Rolle in Matthias P. Giberts neuem Krimi: Unser Archivfoto zeigt den Fischmarkt im japanischen Shiogama. Foto:  dpa

Mit hohem Tempo und einem durchgehend straff gespannten Spannungsbogen siedelt der Autor seinen neunten Fall für das Ermittlerteam Lenz/Hain in der japanischen Einwohnerschaft Kassels an. Es beginnt mit den Küchenhilfen Hideo und Shinji, die die Arbeit im japanischen Restaurant so krank macht, dass sie büschelweise ihre Haare und dazu jede Lebenskraft verlieren. Doch wer illegal in Deutschland lebt und von einem gewalttätigen Typen mit fehlendem Fingerglied bedroht wird, kann nicht ohne Weiteres zum Arzt gehen.

Finstere Hintermänner haben hier eine ganz große illegale Nummer laufen - doch bis die Kommissare alle Zusammenhänge erahnen, geben ihnen eine Armada an Tiefkühltruhen voller Fisch in einer Lagerhalle in der Nordstadt sowie drei verkohlte Leichen in einer Gartenlaube hinter dem Real-Markt Rätsel auf.

Die sympathische Hauptfigur Watane, Shinjis intelligente, gut ausgebildete japanische Freundin, die durch miese Umstände in einem prekären deutschen Leben gelandet ist, hätte man gern besser kennengelernt, ebenso wie gesellschaftliche Hintergründe zum Leben der Japaner hier. Gibert setzt aber nur Schlaglichter auf die Arbeit im Import-Export, in der Gastronomie, das Leben in einer schicken, aber autoritären japanischen Oberschicht. Und entscheidet sich klar für Spannung und Action, die er gekonnt konstruiert.

„Menschenopfer“ ist recht blutig, die Gewalt wird detailreich beschrieben, dabei kommt der Konstruktion aber zugute, dass die Handlung nicht auf so viele Schauplätze aufgesplittert ist.

Und Hauptkommissar Lenz, den Giberts Leser nun schon seit einigen Jahren begleiten, steht freudig und zaudernd vor der Hochzeit mit seiner Langzeitgeliebten Maria. Und vor dem 50. Geburtstag, was ihn zwischendurch schon mal in Krisenstimmung versetzt.

Matthias P. Gibert: Menschenopfer, Gmeiner, 366 S. 11,90 Euro, Wertung: !!!!:

Von Bettina Fraschke

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