Kassel. Dass die Musikakademie Kassel längst nicht nur in klassischen Disziplinen ausbildet, davon konnten sich die Zuschauer am Freitagabend überzeugen. Das schlechte Wetter zwang die Veranstalter kurzfristig zu einer logistischen Großleistung, sodass sämtliche Konzerte vom Königsplatz in die später sehr gut gefüllte Stadthalle Kassel verlegt wurden.
Zum Auftakt spielte das siebenköpfige Jazzensemble der Akademiestudenten eigens arrangierte Jazz-Standards, wonach mehrere Solisten zur Pianobegleitung Musicalmelodien darboten. Sowohl Instrumentalisten wie Vokalisten gestalteten ihre Partien mit starkem Ausdruck auf beachtlichem Niveau. Als letztes rein studentisches Ensemble heizte die Rockband der Akademie dem Publikum ein.
Den Höhepunkt des musikalischen Abends bildete das „Rock Requiem“, Meilenstein in der Geschichte der Cross-over-Werke, Symbiosen klassischer und populärer Musik. Es wurde von den Musikern Guntram Pauli, Christian Kabitz und Klaus Haimerl für ihren verstorbenen Kollegen Lothar Thorand komponiert.
Groovige Sounds und Balladen einer Rockband fusionieren in diesem Opus mit traditioneller, sakraler Klassik eines riesigen Orchester- und Chorapparates. Neben Pauli (Keybord, Gesang) und Haimerl (Gitarre, Gesang), die schon bei der Uraufführung 1978 mitwirkten, stand der Ex-Scorpions- und Meister-Gitarrist Uli Jon Roth auf der Bühne.
Das Orchester sowie der Chor wurden von Werner Kirschbaum geleitet (Choreinstudierung: Marco Zeiser Celesti). Kirschbaum, der Dozent für Popularmusik an der Musikakademie Kassel, dortiger Ensembleleiter und Spezialist für orchestrale Crossover-Projekte ist, gelang die Herkulesarbeit, alle drei Formationen zu einem Klangkörper zu koordinieren.
Beginnend mit den klassischen Elementen von Requiem und Kyrie, des Chor-und Orchesterapparates, mischten sich auf einmal rockige Beats in den Klang. Episodenhaft, aber stets kunstvoll ineinander verwoben, erklangen die Songs.
Atemberaubende Soli von Roth, der renommierten Kasseler Pianistin Ayako Ito und dem ebenfalls in Kassel bekannten Hugo W. Scholz verzauberten das Publikum. Die Musik entfaltete eine Poesie aber auch Kraft, die einen berührt.
Von Alexander Pluquett



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