Der Buchgestalter Friedrich Forssman über den Erfolg von Umschlägen und die Faszination des Lesens

Der Buchgestalter Friedrich Forssman über den Erfolg von Umschlägen und die Faszination des Lesens

„Lesen ist ein magischer Vorgang“

123.04.1023.04.10|Kultur|
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Der Erfolg von Büchern liegt auch an ihrer Aufmachung. Wir haben mit einem der bedeutendsten deutschen Buchgestalter, dem Kasseler Friedrich Forssman, gesprochen.

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Bücher müssen sich als Produkte verkaufen. Zum Marketing gehört das Cover, das auffällt. Was macht den Umschlag zum Erfolg?

Friedrich Forssman: Ein Rezept gibt es nicht. Aber um Ihre Frage zu hinterfragen: Ein Buch ist ein Produkt, na klar, aber auch noch das kulturelle Schlüsselmedium schlechthin, seit 500 Jahren. Ich mag es, wenn Verleger, Buchgestalter und Leser Hochachtung vor dem Buch als solchem haben.

Aus diesem Spannungsfeld wird man nicht rauskommen ...

Forssman: Ich liebe solche Spannungsfelder. Die machen meinen Beruf vielgestaltig.

Verlage wollen und müssen Geld verdienen.

Forssman: Das wollen Buchgestalter unterstützen. Das Buch soll nicht in Schönheit sterben. Gerade ein Gestalter liebt Erfolg an der Kasse. Aber nur, wenn er das Gefühl hat, dem Käufer auf Augenhöhe zu begegnen. Ich stelle mir Leser vor wie mich selbst. Ich schaue ihm geradeaus in die Augen und gebe ihm etwas, zu dem ich ganz und gar stehen kann. Insofern sind Worte wie Marketing und Produkt heikel.

Wie muss ein Buch aussehen, damit es sich verkauft?

Forssman: Ich glaube, dass der Leser merken muss, dass er von Verlegern und Buchgestaltern nicht herablassend behandelt, sondern ernst genommen wird. Zur Attraktivität des Buches, die auf vielen Faktoren beruht, muss sich bei der Lektüre das Gefühl einer Richtigkeit einstellen.

Täuscht mein Eindruck, oder werden Cover abgekupfert, sodass Trends entstehen? Plötzlich liegen ähnliche Titel an allen Kassen. Genügt der Wiedererkennungswert für den Erfolg?

Forssman: Das geht stark in Richtung Produkt. Wobei ich generell dagegen bin, jemals irgendeinen Menschen für dumm zu verkaufen. Bei Buchkäufern hat man es mit Leuten zu tun, die als Leser einen gewissen Bildungsstand haben. Auch wer einen Reißer liest - und das mache ich selbst ausgesprochen gern - hat ein beachtliches Abstraktionsvermögen. Wenn ich versuchen würde, einem Trend zu folgen oder drastischer gesagt ein Erfolgsprodukt zu plagiieren, findet eine Verkaufe statt. Das ist immer eine Für-Dumm-Verkaufe. Damit kann man nicht punkten, weder für das eigene Selbstbild noch für die Leser-Verlags-Bindung. Das betrachte ich eher mitleidig. Das heißt aber nicht, dass es nicht Zeitkolorite gibt. Gegen die habe ich natürlich gar nichts einzuwenden. Für mich ist eine Grenze überschritten, wenn man Leser übertölpelt.

Unvergessen sind die Edition-Suhrkamp-Bände, deren farbenfrohe Titel einen Regenbogen ergaben, oder das Gelb der Reclam-Hefte.

Forssman: Das sind ausgezeichnete Beispiele für funktionierende Reihen. Reihen bedeuten, dass man als Leser ein Vertrauen in den Verlag mit seinem Lektorat entwickelt. Man weiß, man wird wirklich gute Texte bekommen mit ausgezeichneten Einführungen, die kann man blind kaufen. Bei Suhrkamp zum Beispiel haben der fantastische Gestalter Willy Fleckhaus und der Verleger Siegfried Unseld vertrauensvoll und glückhaft zusammengearbeitet. Es kann aber auch eine sehr gute Entscheidung sein, Bücher umgekehrt sehr stark zu individualisieren, ein Buch es selbst sein zu lassen. Das Geheimnis ist: Wenn ein Buchgestalter sein Lieblingsbuch macht, als ein gestaltetes Individuum, wächst es auch Lesern ans Herz.

Besitzen Sie ein Lesegerät für E-Books?

Forssman: Nein. Ich hantiere gern mit Rechnern, sonst könnte ich meinen Beruf nicht ausüben. Aber dass ein Buch nur sein eigener Text ist, leuchtet mir nicht ein. Ich möchte nicht, dass mir die sinnliche Ebene, die intuitive Orientierung im Buch genommen wird. Ich möchte erleben, wie ich vorankomme, wie die linke Seite dicker wird. Jeder wird das Gefühl kennen, dass man etwas traurig von einem Buch Abschied nimmt, dass man die letzten Seiten für einen besonderen Moment aufspart, den Lesevorgang verlangsamt. All das ist bei einer Datei weg.

Lesen ist eine so wunderbare Tätigkeit, diese wenigen Buchstaben unseres lateinischen Alphabets, die in unseren Köpfen so viele verschiedene lebhafte Bilder erzeugen. Für mich ist das ein magischer Vorgang.

Von Mark-Christian von Busse

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