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Zur Oper verführen: Komponist Mario Wiegand über die Kindermusiktage

Zur Oper verführen: Komponist Mario Wiegand über die Kindermusiktage

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Kassel. Wie erfinderisch musikalische Förderung sein kann, zeigen die Nordhessischen Kindermusiktage seit 2005. Schüler entwickelten vielfältige Projekte und musizierten mit dem Vogler Quartett, einem der bekanntesten deutschen Streichquartett-Ensembles.

In diesem Jahr wartet das vom Konzertverein Kassel veranstaltete Festival mit einer Neuheit auf: Es gibt die Kinderoper „Die zertanzten Schuhe“ nach dem Märchen der Brüder Grimm.

Mehrere Schulklassen, das Vogler Quartett, Gesangsstudenten, der Pianist und Dirigent Thomas Rimes sowie der Percussionist Olaf Pyras wirken bei der Kinderoper mit. Für die szenische Umsetzung gewann man den Regisseur Nino Sandow, Professor an der Musikhochschule „Hanns Eisler“ Berlin. Das Libretto stammt von Marec Béla Steffens. Und die Musik schrieb Mario Wiegand (40), der bereits 2010 im Auftrag des Konzertvereins Kassel ein Werk für das Vogler Quartett komponiert hat. Wir sprachen mit dem in Weimar lebenden Komponisten.

Sind Sie ein Operettenfan, Herr Wiegand?

Mario Wiegand: Nein, aber ich betrachte die Gattung Operette mit dem schmunzelnden Blick eines Nachgeborenen. Ihre Frage bezieht sich wohl auf mein Musiktheaterwerk „Operette“ nach dem Schauspiel von Witold Gombrowicz.

Genau. Vor zwei Jahren wurde „Operette“ am Theater Osnabrück uraufgeführt. Das Deutschlandradio sprach von einem schrägen Muntermacher. Wie war Ihr Vorgehen bei der Gombrowicz-Vertonung?

Wiegand: Ich habe Versatzstücke aus der Operettengeschichte für mich nutzbar gemacht und in meine Sprache übersetzt. Man sollte es nicht musikalische Zitate nennen, eher Anspielungen und Quasi-Zitate.

Gibt es solche Anspielungen in Ihrer Kasseler Kinderoper „Die zertanzten Schuhe“?

Wiegand: Auch in diesem Fall blieben sie nicht aus. Es sind weniger Anspielungen auf die Operette, obwohl man da möglicherweise etwas findet, wenn man sucht. Ein bisschen Dreivierteltakt ist schon darin. Ein anderes Stück swingt ganz leicht wie Jazz. Und es gibt eine Anspielung auf die italienische Oper: Ich möchte das junge Publikum dazu verführen, sich auch andere Opern anzuhören.

Ist eine Kinderoper eine Herausforderung für Sie?

Wiegand: Natürlich, denn man muss auf verschiedene Dinge Rücksicht nehmen. Beispielsweise komponierte ich vor den Einsätzen des Kinderchores vier Takte Vorspiel, was ich sonst gerade nicht gemacht hätte. Generell bemühte ich mich, sehr fasslich zu komponieren. Fasslich in dem Sinn, dass man Melodien erkennt. Aber die Musik unterscheidet sich schon von dem, was man manchmal so als Kindermusik bezeichnet.

Für ein Teilstück der Kinderoper, den Tanz vor dem Schloss, gab es einen Schüler-Kompositionswettbewerb mit Ihnen und dem Vogler Quartett als Jury. Wer hat den Wettbewerb gewonnen?

Wiegand: Die Gewinner sind der Leistungskurs Musik des Kasseler Friedrichsgymnasiums und Aleksandra Chmielewska, eine Schülerin aus Warschau.

Das Programm

Meisterkonzert: Das Vogler Quartett spielt Haydn, Schulhoff und Dvorák. 13. März, 20 Uhr, Kassenhalle der Kasseler Sparkasse, Wolfsschlucht 9. Bereits ausverkauft.

Kinderoper „Die zertanzten Schuhe“: 15. März, 18 Uhr (Uraufführung), 16. März, 10 und 18 Uhr, 17. März, 10 Uhr, Friedrichsgymnasium Kassel, Humboldtstraße 5. Eintritt frei. Anmeldung für Schulklassen im Sekretariat des Friedrichsgymnasiums, Tel. 0561-772031.

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