Kassel. Der Anblick ist schon drollig: Vorn der leicht pummelige Sänger Jason Beebout, der wie ein Familienpapa daherkommt, daneben und dahinter die vier anderen mit lichter werdenden Haaren - Samiam sind nicht mehr die ´Jüngsten. Aber sie haben’s noch drauf. Und weil die meisten der gut 200 Besucher mit den Punkrock-Größen mitgealtert sind, wehte am Dienstagabend im Kasseler A.R.M. ein Hauch von Klassentreffen.
23 Jahre haben Samiam auf dem Buckel, sie gehören zu den Vorreitern des melodischen Hardcores. Und wenn man den Jungs ein Kompliment machen will, dann dieses: Sie sind äußerst sympathisch und bodenständig. Gitarrist Sergie Loobkoff mischte sich unters Völkchen, um aufmerksam der Vorband Augen Auf zu lauschen.
Der zweite Gitarrist, Sean Kennerly, stieg während des Auftritts von der Bühne, um neben den Fans sein Instrument zu spielen. Und Sänger Beebout ließ sich zwischen zwei Stücken auf eine Diskussion ein über das Für und Wider der Biersorte Becks. Er mag es nicht.
Samiam eröffneten das Konzert mit „80 West“, dem ersten Stück des neuen Albums. Aber spätestens mit „Sunshine“ vom Album „Astray“ ging die Party so richtig los. Wer sich aus einer solch großen Kiste mit Hits bedienen kann wie Samiam, hat die Qual der Wahl. Die Band schaffte es, jeden Klassiker auf die Setlist zu setzen. „Full on“, „Super Brava“, „Dull“ und natürlich „Capsized“ - in die kuschelige Atmosphäre im A.R.M. schlich sich ein wenig Nostalgie.
In 70 Minuten machten Samiam einen Ritt durch ihre Bandgeschichte. Gerade die älteren Stücke waren es, die die Fans vor der Bühne zum Pogo- tanzen animierten. Loobkoff ließ die eingängigen Melodien erklingen, Beebout schmetterte inbrünstig ins Mikrofon: Da konnte man gar nicht anders, als dem Kumpel den Arm um die Schulter zu legen und ordentlich mitzugrölen. Gänsehaut inklusive. Ein richtig runder Punkrock-Abend.
Von Robin Lipke



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