Kassel. Es war ein guter Tag für das Schlagerduo Die Amigos. Die Stadthalle Kassel war bei ihrem Konzert am Sonntag ausverkauft, der Leuchtwedelverkauf während der Pause florierte und die signierten CDs gingen weg wie warme Semmeln.
Der inhaltliche und formelle Minimalismus der Brüder Bernd und Karl-Heinz Ulrich begeisterte trotz intellektueller Minusgrade und emotionaler Oberflächlichkeiten ein in herzliche Genügsamkeit gehülltes Publikum jenseits der 40.
Den beiden Amigos reichten drei Videowände, um ihren schlicht formulierten Schlagzeilen-Schnulzen die visuelle Kraft zu verleihen, mit der man die geforderte Mindesthöhe an Veranstaltungsqualität überspringen konnte. Den Rest erledigten sie mit kumpelhaften Zwischentönen und gefühlvollen Umschreibungen, wobei Themen wie Tod und Kindesmissbrauch durchaus angemessen und sensibel in Wort und Ton verarbeitet wurden.
Die Balance zwischen den Partykrachern („Du bist wie Feuer im Vulkan“, „Das weiße Schiff“ , „Du bist der helle Wahnsinn“) und den romantischen Songs („Meine Liebe ist wie ein Teil von Dir“ , „So jung darfst du nicht gehen“), stimmte. Jede Aufforderung zum Wedeln, Tanzen oder Klatschen wurde prompt in die Tat umgesetzt und mancher Gast nutzte den Bewegungsspielraum auf seinem Stuhl für ausgiebige Sitzplatz-Gymnastik. Wenn Schlager die Currywurst der Popmusik ist, dann kann das richtig gut schmecken, wenn man bei der Zubereitung auf Qualität achtet.
Da müssen sich die Amigos den Vorwurf gefallen lassen, dass viele ihrer Kompositionen industriell ausgestanzt und kalkuliert wirken. Doch das Basisrezept funktioniert bei ihren Fans recht gut und so gelingt der Spagat zwischen Authentizität, Show und Alterungsprozess. Es entstand eine Atmosphäre der Identifikation, der Anteilnahme, der Nähe und die Botschaft könnte lauten: „Wir sitzen doch alle in einem Boot“. Oder, wie die Amigos es ausdrücken würden: „Liebe ist mehr als nur ein Spiel“.
Nach über zwei Stunden Konzertdauer, mehreren Zugaben und dem Versprechen, nächstes Jahr wiederkommen zu wollen, verabschiedeten sie sich unter tosendem Beifall in Richtung Verkaufsstand.
Von Andreas Köthe



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