Superbanner

„Sehe ihn als Familienfilm“

Interview: Regielegende Martin Scorsese huldigt in dem in 3D gedrehten „Hugo Cabret“ dem Kino

„Sehe ihn als Familienfilm“

    • recommendbutton_count100
    • 0
    • 0

Meisterregisseur Martin Scorsese ließ sich auf sein erstes 3D-Projekt ein. Im diese Woche startenden „Hugo Cabret“ nutzt er die neue Technik, um einem Kinopionier zu huldigen: Georges Méliès, der 1896 erste Filme auf Jahrmärkten präsentierte. Der Junge Hugo Cabret, der in Paris im Bahnhof lebt und dort die Uhren stellt, lernt ihn kennen. Der Film ist für elf Oscars nominiert.

Wollen Sie mit „Hugo Cabret“ Ihre Liebe für den Film zum Ausdruck bringen?

Martin Scorsese: In erster Linie ist es ein Film über Menschen und über die Zeit. Auf der einen Seite steht der Knabe Hugo Cabret, auf der anderen der gealterte Georges Méliès, der verbittert ist und der Vergangenheit nachtrauert. Erst durch den Waisenjungen kann er sein Herz und damit auch seine Augen öffnen.

Warum war er so verbittert?

Scorsese: Er steckte viel Leidenschaft und Energie in seine Arbeit und erlebte äußerst kreative Schaffensphasen. Dann ging alles schief, er war pleite. Deshalb wollte er damit abschließen und vernichtete alles. Was anderes kann man wohl nicht tun, wenn man einst so kraftvoll und passioniert war. Erst wenige Jahre vor seinem Tod 1938 wurde er wiederentdeckt und bekam die Ehre, die ihm gebührte.

Hugo ist ein zwölfjähriger Junge, der filmverrückt ist und sich umsonst Zutritt ins Kino verschafft. Waren Sie genauso?

Scorsese: Dort, wo ich lebte, wäre es unmöglich gewesen, sich ins Kino zu schmuggeln. Nein, ich bin mit meinen Freunden ins Kino gegangen. Wir sahen die schlechtesten Filmkopien, aber dafür kostete der Eintritt auch nur 15 Cent. Ansonsten entdeckte ich mich in Hugo nur insofern wieder, dass ich mich ebenso isoliert fühlte wie er.

Warum?

Scorsese: Mit drei Jahren wurde bei mir Asthma festgestellt, und das bestimmte fortan mein Leben. Um 1945 ging es in den New Yorker Straßen von Queens nicht immer gemütlich zu, trotzdem konnte ich mich behaupten und viele von den großen Kids nahmen mich auch in Schutz. Und dann war da noch die Kirche, die für mich ein wichtiger Ort war, um mal von der Straße und von zu Hause wegzukommen, wo sich Leute stritten oder schlugen.

Fühlen Sie sich dem Filmzauberer Georges Méliès oder Hugo Cabret näher?

Scorsese: Ich kann mich mit beiden identifizieren. Wobei ich hoffe, nie in so eine traurige Phase wie Méliès zu geraten. Inzwischen bin ich aber schon älter als er zu dem Zeitpunkt, als er einen Spielzeugladen eröffnete.

Haben Sie darüber nachgedacht, wie es Ihnen gehen würde, wenn der Erfolg ausbliebe?

Scorsese: Wenn man einen Film wie „Hugo Cabret“ dreht, denkt man automatisch darüber nach. Letztlich kann niemand wissen, wie erfolgreich ein Kunstwerk wie Film, Buch oder Musik von den Leuten angenommen wird.

Muss man auf neue Attraktionen wie 3D zurückgreifen, um das Risiko zu minimieren?

Scorsese: Inzwischen hat auch eine gewisse Kritik an 3D eingesetzt, aber als ich mich dazu entschied, herrschte helle Aufregung. Vielleicht mein Glück, denn mir lag daran, einen Film zu machen, den sich auch meine zwölfjährige Tochter ansehen kann. Insofern sehe ich „Hugo Cabret“ als einen Familienfilm, und das ist ebenfalls ein Gebiet, mit dem man mich nicht sofort assoziieren würde. (ricore)

Von Markus Tschiedert

zurück zur Übersicht: Kultur

Kommentare

Kultur aktuell

Wechselt Kent Nagano nach Hamburg?

Wechselt Kent Nagano nach Hamburg?

München - Kent Nagano, noch bis Sommer 2013 Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper, ist heißer Kandidat für den Posten als musikalischer Chef der Hamburgischen Staatsoper.Mehr...

Wirbel um ZDF-Intendant: Bellut macht sich über Publikum lustig

Wirbel um ZDF-Intendant: Bellut macht sich über Publikum lustig

Berlin. Wirbel um ZDF-Intendant Thomas Bellut: In einer Rede bei der „Medianight“ der CDU macht er sich über das Alters des ZDF-Kernpublikums lustig.Mehr...

Meist gelesen

  • Heute
  • Letzte 7 Tage
  • Themen

"Es grüßt das Klischee" - Polizeiruf aus Halle in der Kritik

"Im „Polizeiruf 110: Bullenklatschen“ aus Halle bekam jeder sein Fett weg: Ein Polizist wurde erschossen, die linke Szene wurde in ein schlechtes Licht gerückt und eine Spinne wurde ihrer Freiheit beraubt." Eine TV-Kritik von HNA-Volontärin Claudia Schittelkopp:Mehr...

Artikel lizenziert durch © hna
Weitere Lizenzierungen exklusiv über http://www.hna.de

Neues Passwort zusenden

Bitte geben Sie ihre E-Mail Adresse an, wir senden Ihnen ein neues Passwort zu.

Bitte warten

Es wird etwas gemacht.

  • recommendbutton_count100
Schließen

Druckvorschau

Artikel:

Schließen

Artikel Empfehlen

Empfehlen Sie diesen Artikel Ihren Freunden und Bekannten!

Fehleranzeige ausblenden

Es sind Fehler aufgetreten!

  • Fehlertext

Bitte berichtigen Sie oben aufgeführte Fehler und klicken danach noch einmal auf den Absenden Button.

Fehleranzeige ausblenden

Schwere Fehler sind aufgetreten!

  • Fehlertext

Bitte setzen Sie sich mit der technischen Abteilung in Verbindung.

  • Fehlertext

Achtung!

  • Fehlertext

Nicht alle Aufgaben konnten abgearbeitet werden.

SkyScraper