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Starke deutsche Filme: Eine Bilanz der Berlinale

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Berlin. Die Unkenrufer sind verstummt. Die diesjährige Berlinale strebt mit der Preisverleihung am Samstag ihrem Höhepunkt entgegen, und vor der Bärenvergabe fällt die Bilanz der Filmfestspiele überwiegend positiv aus. Gerade im Wettbewerb - dem Aushängeschild der Festspiele.

Frage nach Schuld: Jürgen Vogel als Niels in Matthias Glasners „Gnade“.

Die Königsklasse hatte im Vorjahr geschwächelt und war hart kritisiert worden. Dieses Mal war sie mit 18 Bärenkonkurrenten und sechs weiteren Filmen aber gut aufgestellt.

Nicht alle dort gezeigten Filme sind unbedingt bärenwürdig gewesen. Aber die Wettbewerber waren insgesamt so stark, wie es einem Festival dieses Anspruchs angemessen ist. Auffallend oft waren familiäre Konflikte oder Beziehungsfragen Thema, wurden Menschen in schwierigen Situationen gezeigt. Die Berlinale schaute tief in die Seele des Menschen.

Es würde nicht Wunder nehmen, wenn die Jury um Präsident Mike Leigh - dem britischen Meisterregisseur und Spezialisten für ebensolche Geschichten - solche Regiearbeiten mit den begehrten Bären würdigt.

Preisverleihung live in 3Sat am Samstag, 19 Uhr.

Der deutsche Film steht in diesem Jahrgang besonders gut da. Zu den Favoriten auf die Preise zählen zwei von den drei Wettbewerbsfilmen: „Barbara“ von Christian Petzold und „Was bleibt“ von Hans-Christian Schmid. Das Erste ist eine fein gewebte Regiearbeit über eine Ärztin in der DDR 1980, die hin- und hergerissen ist, ob sie die Flucht wagen soll. Die spröde, zurückhaltende Schauspielleistung von Nina Hoss und die durchdachte Erzählstruktur sind beeindruckend.

„Was bleibt“ ist ein Kammerspiel aus dem Inneren einer Familie. Bildungsbürger, die sich ihre Diskussionskultur stolz ans Revers heften, in Wirklichkeit aber in Schweigen verstrickt sind. Hier überzeugen die Bildgestaltung und die Darstellerleistungen.

Die Kritiken für den dritten deutschen Wettbewerbsfilm „Gnade“ von Matthias Glasner mit Jürgen Vogel und Birgit Minichmayer waren uneinheitlich. Das Ehedrama um Schuld und Gnade schwelge sehr in Idyll-Bildern und schlüpfe damit ein wenig aus der Härte des Konflikts um ein mit Unfallflucht getötetes Mädchen.

Familienleben: Lars Eidinger als Marko in Hans-Christian Schmids „Was bleibt“.

Zu den Höhepunkten im Wettbewerb gehört ferner Ursula Meiers französisch-schweizerischer Film „L’enfant d’en haut“ über einen Jungen, der auf der Gipfelstation eines Skigebiets Ski und Ausrüstung stiehlt und im Tal weiterverkauft. Nicht nur ist die darstellerische Leistung des jungen Kacey Mottet Klein außergewöhnlich, Meier gelingt es auch, in jeder Szene Untertöne mitschwingen zu lassen, die noch mehr erzählen als die vordergründige Handlung.

Einen „vertikalen Film“ wollte sie machen, sagte die Regisseurin. Und meint nicht die Landschaft. Hier wird auf subtile Art eine gesellschaftliche Kluft ausgeleuchtet, die erschreckend weit klafft.

In eine ganz abgeschlossene Gesellschaft blicken die Brüder Paolo und Vittorio Taviani in dem italienischen Beitrag „Cesare deve morire“, wo sie semidokumentarisch und in altmodischem Schwarz-Weiß gefilmt einer Gruppe Strafgefangener zusehen, die Shakespeares Drama „Julius Cäsar“ einstudiert - und sich Szene für Szene in der Arbeit persönlich verändert.

Schließlich wird auch Robert Duvall in Erinnerung bleiben. Der 81-jährige Altstar („Apocalypse Now“) spielt in „Jayne Mansfield’s Car“ einen Weltkrieg-eins-Teilnehmer, der unfähig ist, Gefühle zu zeigen. Sein Hobby: Autowracks nach einem Unfall besichtigen, möglichst mit den Toten darin. Absolut bärenwürdig.

Von Bettina Fraschke

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