Es sind die ruhigen und leisen Szenen, die beeindrucken, ja mitunter bedrücken. Szenen wie jene, in der Rudi Assauer vor dem Schlafzimmer seiner Tochter steht und ihm deren Name nicht einfällt. Er überlegt, er grübelt, doch der Name kommt nicht.
Oder wie jene Szene, in der er beim Gedächtnistraining sitzt und sagen muss, welches Jahr gerade ist. Assauer, dieser einst so starke Mann der Fußball-Bundesliga, dieser Macho, dieser Berg an Selbstvertrauen, sitzt da, ängstlich, verunsichert, er weiß es nicht. Welche Jahreszeit? "Es geht wohl auf Winter zu." Welcher Monat? "Ist das schon September?"
Das Problem der ZDF-Dokumentation "Rudi Assauer - Ich will mich nicht vergessen" über den an Alzheimer erkrankten ehemaligen Manager von Schalke 04 ist, dass es zu wenig Raum gibt für diese Szenen. Autorin Stephanie Schmidt bleibt nur eine halbe Stunde, sie muss viel erklären, der Film wird zur Hatz.
Anschließend wird bei Markus Lanz länger als eine Stunde über die Dokumentation und Assauer diskutiert. Sportreporter Werner Hansch sagt noch einmal dasselbe wie im Film. Spätestens da kam der Wunsch auf, dass Markus Lanz einfach ein wenig Sendezeit abgegeben hätte und Rudi Assauer zuvor noch ein wenig länger gewirkt hätte.
Der 67-Jährige versteckte sich ja nicht - im Gegenteil: Er ließ fast alles zu. Er ließ zu, dass die Kameras ihn zeigen in Situationen, in denen er auf die Hilfe anderer angewiesen ist, in denen er über das redet, was ihn beschäftigt. Einmal sagt er: "Ich vergesse manchmal Dinge, die sind unglaublich. Da kann ich mir nur an den Kopf fassen und sagen: Okay Assauer, so doof kannste doch nicht sein, dass Du solche Fehler machst."
Seine Offenheit ist die große Stärke dieses Film. Nur leider wird ihr zu wenig Platz eingeräumt. So ließ sich die Entwicklung nur erahnen, die er und seine Krankheit nahmen - in dem Jahr, in dem das Fernsehteam Assauer begleitete. Warum seine Ehe mit Frau Britta scheiterte - das wurde zum Beispiel nicht wirklich beantwortet.
Die Sorgen und Ängste der Angehörigen sind nur am Rande Thema. Immerhin hat es die Dokumentation geschafft, was Assauer bezwecken wollte, als er dem Projekt zustimmte: dass gezeigt wird, was mit ihm ist und was es bedeutet, Alzheimer zu haben.
Von Florian Hagemann
Rubriklistenbild: © dpa


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