Kassel. Das traditionelle Konzert am Vorabend des Universitätstags fand am Donnerstagabend an ungewohntem Ort statt. Diesmal fiel, da die Mensa im Umbau ist, die zusätzliche sinnliche Komponente des Essensgeruchs weg.
Denn die Martinskirche war Ausweichspielstätte für das Programm, welches das Orchester der Uni im zu Ende gehenden Wintersemester erarbeitet hatte.
Wie in einer Kirche nicht ungewöhnlich, ging es gleich zu Beginn, in der „Danse macabre“, dem komponierten Totentanz von Camille Saint-Saëns, um den Tod. Das schräge, ohrwurmverdächtige Stück klappte gut, den Solopart für die Geige spielte Hartmut Hillmer, Professor für Technische Elektronik.
Überirdisch (schön) und damit ebenso einem Kirchenraum angemessen auch das Klarinettenkonzert von Wolfgang Amadeus Mozart. Solist war Stefan Hülsermann. Er ging das berühmte dreisätzige Spätwerk überaus lyrisch an, spielte die Bögen weit aus, phrasierte weich und berückend, manchmal fast zerbrechlich und barg so nicht nur im Adagio, sondern auch in den beiden schnellen Sätzen alle Emotionen. Die etwa 400 Zuhörer waren gebannt und applaudierten kräftig, manche sogar schon nach dem ersten Satz.
Noch größer war der Beifall für das vom Gastdirigenten Kerry Jago geleitete Orchester nach dem Ende der zweiten Symphonie von Johannes Brahms. Vielfarbig in jeder Hinsicht mit nicht geringen spieltechnischen und musikalischen Anforderungen an alle Instrumentengruppen ist das Stück angelegt.
Dank des Dirigats des jungen Engländers, der jederzeit ohne Einschränkungen den Überblick behielt, gelang es, die 70 Musikerinnen und Musiker beisammenzuhalten und zu einem Ganzen zu formen, dem kleine Ungenauigkeiten hier und dort nichts mehr anhaben konnten. Eine schöne Leistung für ein zusammengewürfeltes Orchester, dessen Mitglieder in ihrer Mehrheit keine professionelle Musikerlaufbahn einschlagen werden.
Von Johannes Mundry



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