Sabine Wackernagel und ihr neues Programm über Christiane Vulpius

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    • 22.01.13
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Texte über und von Goethe-Lebensgefährtin

Sabine Wackernagel: Neues Programm über Christiane Vulpius

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Kassel. Sie war nicht schön, nicht gebildet und nicht von vornehmer Herkunft. Friedrich Schiller nannte sie „ein rundes Nichts“, die feine Weimarer Gesellschaft nur abfällig „Goethes Magd“ oder „Hure“.

Gibt Christiane Vulpius eine Stimme: Schauspielerin Sabine Wackernagel. Foto: Schachtschneider

Gibt Christiane Vulpius eine Stimme: Schauspielerin Sabine Wackernagel. Foto: Schachtschneider

Die Rede ist von Christiane Vulpius (1765-1816). Schon bevor der Dichterfürst sie heiratete, war sie 18 Jahre lang seine Lebensgefährtin. Sie liebte ihn über alles. Ein Jahr nachdem sie Goethe kennenlernte, gebar sie ihm einen Sohn, August.

Auch Goethe liebte Christiane Vulpius „leidenschaftlich“, doch vom Establishment der Weimarer Zeit wurde sie nur verspottet und geschnitten. Wie erträgt man das? Wer war diese Frau? Die Kasseler Schauspielerin Sabine Wackernagel hat das beschäftigt. Sie recherchierte, las ihre Briefe und ihre Tagebuchaufzeichnungen. Herausgekommen ist das Programm „Goethes Dicke Hälfte“, das Züge einer gespielten Biografie trägt und am Montag die Besucher im gut gefüllten Theaterstübchen amüsierte, aber auch berührte.

Christiane Vulpius – man war ihr sehr nah an diesem Abend. Im Grunde saß sie auf der Bühne. Sabine Wackernagel gab ihr nur ihre Stimme. Eine liebenswerte Frau. Eine mit Herz und Charakter. Eine, die sich für Goethe im Haushalt abrackerte, weil sie ihn liebte und bewunderte: „Ich lerne seine Stücke auswendig.“

Aber auch eine Frau, die vor Wut über die ständigen Schmähungen der feinen Gesellschaft die Fäuste ballte und heimlich im stillen Kämmerlein Dampf abließ. Ihren Gatten wollte sie damit nicht belasten – „er schrieb ja grade an Faust“. Als sie vom gemeinsamen Sohn August erzählte, leuchteten ihre Augen. Als sie von Goethes Reisen berichtete und wie sie ihn vermisste, berührte auch dies das Publikum so, als höre man einer traurigen Freundin zu.

Sabine Wackernagel gelang es, das Publikum mitfühlen zu lassen. Christiane Vulpius hat an diesem Abend viele Freunde gewonnen. Ganz still wurde es, als berichtet wurde, dass sie „unter großen Qualen starb“ und „niemand da war, der ihr die Augen zudrückte“. Lang anhaltender Applaus.

Von Steve Kuberczyk-Stein

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