Das Publikum war begeistert. Max Goldt ist ein fantastischer Rezitator, der in feinen Stimmnuancen das ganze Spektrum von Lästerei und Selbstüberschätzung bis zur Verachtung darzustellen vermag und endlich das Phänomen benennt, dass nur Frauen und nur in unwichtigen Streitsituationen den genervt-nachäffenden Ausdruck „Wäwäwäwäwäh“ verwenden.
Goldt ist ein genauer Beobachter, der den Zustand der Gesellschaft an kleinen, aber markanten Details erklären und in ebenso wunderschön klingende wie handwerklich perfekt gedrechselte Texte bauen kann. Er beschreibt, wie man schon bei Abiturfeiern in Brandenburg erkennen kann, dass sich Mädchen karrieremäßig selbst im Weg stehen. Während die Jungs wie vor 30 Jahren in Samtjacketts herumstehen, werfen sich die Mädels heute in billige Glitzerfummel nach Art von TV-Sternchen. Effekt: „Selbstdegradierung durch Glamour“. Später konstatiert er: „Sexy ist das neue Spießig.“
Am anderen Ende der Altersskala findet er endlich schlüssige Bezeichnungen für das beigefarbene Bekleidung tragende Rentnerpaar mit latenter Ausländerfeindlichkeit: Er bescheinigt ihnen in Abgrenzung zu Migranten einen „Sesshaftigkeitshintergrund“ und malt sich aus, dass womöglich all die Männer im vorgerückten Alter Leuchtmittel an Kronleuchtern ersetzen wollen - schließlich tragen sie zumeist die absurd-vieltaschigen „Birnenwechselwesten“.
Zur pseudo-gehaltvollen Wissenschaftserkenntnis, dass Frauen sich gesünder ernähren als Männer und damit dem Klima nützlicher seien als die Fleischverzehrer, fragt er, ob es umgekehrt auch umweltdienlich sei, wenn Männer Frauenprodukte wie Yogurette verputzten.
Neben dem Blick auf Geschlechterbilder und – auch journalistische – Sprachmarotten zelebriert Max Goldt immer wieder die Lust am surrealen Sprach-Klang-Bild, bei dem man gar nicht so viel nach Sinn suchen muss. Wie wäre es mit einer Radieschendiät zur Feier der Zahl dreiundzwanzigeinhalb?
Von Bettina Fraschke
































